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COP26 in Glasgow: Die wichtigsten Ergebnisse des Weltklimagipfels

23. Nov. 2021

197 Staaten kamen bei der 26. UN-Weltklimakonferenz zusammen, um den transnationalen Austausch anzukurbeln und die internationalen Klimaschutzbemühungen zu steigern. Das Ergebnis: die Verabschiedung des „Glasgow Climate Pact“, der alle wesentlichen Leitlinien zur Umsetzung des Klimaschutz-Abkommens enthält. Mit diesem Meilenstein hat die COP26 formal ihr wichtigstes Ziel erreicht.

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Klimapakt zur Umsetzung des Pariser Abkommens verabschiedet

Woche eins der Verhandlungen war geprägt von verschiedenen Zusagen, mit denen sich die teilnehmenden Parteien auf unterschiedlichen Ebenen zum Klimaschutz bekannten. Dazu gehören die Zusagen, die Entwaldung bis 2030 weltweit aufzuhalten und globale Methanemissionen substanziell zu verringern. Erstmals wurden zudem Maßnahmen zum Kohleausstieg und zum Ende der Finanzierung fossiler Brennstoffe beschlossen.


Einen weiteren Aspekt hebt Joachim Sell, Head of Natural Climate Solutions hervor, der die COP für First Climate beobachtete. Bemerkenswert sind aus seiner Sicht auch die Ankündigungen für Klimaschutz-Selbstverpflichtungen von Seiten des Privatsektors. Die Finanzindustrie beispielsweise kündigte an, über die nächsten 30 Jahre insgesamt bis zu 130 Mrd. USD an privatem Kapital für das Netto-Null-Ziel zu mobilisieren und einzusetzen. Im Automobilsektor sollen alle Neuwagenverkäufe bis 2040 und in den Kern-Märkten bis 2035 emissionsfrei werden. „Die Erreichung des Ziels, fossile Treibstoffe im Mobilitätsbereich zurückzufahren, wird einen wichtigen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten. Aus der Zusammenarbeit mit Unternehmen der Branche sehen wir Anlass, anzunehmen, dass dieses Ziel sogar früher erreicht werden kann als aktuell zugesagt.“



Konkrete Vorgaben für nationale Klimaschutzpläne

Ein wichtiges Ergebnis der COP26-Verhandlungen ist auch die Einigung der Länder auf einen gemeinsamen Zeitrahmen für die Nationally Determined Contributions (NDCs), für die es bisher keine konkreten Vorgaben gab. Die Parteien verständigten sich darauf, alle fünf Jahre neue oder aktualisierte NDCs für eine Periode von 10 Jahren vorzulegen, also 2025 ein NDC mit dem Enddatum 2035, 2030 wiederum eines für 2040. Zudem werden sie dazu angehalten, ihre Ziele für 2030 im kommenden Jahr zu überprüfen und wenn nötig zu verstärken. Insgesamt legten über 150 Länder neue NDCs vor, was ca. 80 % der globalen Emissionen entspricht, und 82 Staaten weltweit haben nun ein Netto-Null-Ziel.


Weitere Zusagen im Bereich Klimafinanzierung

In puncto Klimafinanzierung einigten sich die Industrienationen darauf, die Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel verstärkt zu unterstützen und dazu die finanziellen Mittel bis 2025 mindestens zu verdoppeln – auf 40 Mrd. USD. Das Ziel, ab 2020 jedes Jahr 100 Mrd. USD zur Verfügung zu stellen, wollen die Industrienationen 2023, also mit dreijähriger Verspätung, erreichen. Mit der „Glasgow Breakthrough Agenda“ sollen Länder und Unternehmen die Entwicklung und den Einsatz grüner Technologien und nachhaltiger Lösungen in diesem Jahrzehnt beschleunigen, bei gleichzeitiger Senkung der Kosten. Entwicklungsländer sollen so Zugang zu den für Net Zero benötigten Innovationen und Mitteln erhalten.


Finalisierung des Pariser Regelwerkes

Der vielleicht zentrale Erfolg der COP26 ist das fertiggestellte Pariser Regelwerk, mittels dessen das Übereinkommen von Paris fortan implementiert werden soll. So gab es etwa einen Durchbruch bei den Verhandlungen in Bezug auf Artikel 6 des Pariser Abkommens, der Vorgaben für die internationale Zusammenarbeit im Klimaschutz macht, und zwar auf staatlicher Ebene (Artikel 6.2) aber auch im Rahmen privatwirtschaftlicher Kooperationen (Artikel 6.4). Das Regelwerk macht klare Vorgaben dazu, wie Zertifikate für Emissionsreduktionen bzw. erzielte CO2-Senkenleistungen zukünftig untereinander gehandelt und Doppelzählungen ausgeschlossen werden können.


Im Fokus stand vor allem Artikel 6.4, der den CDM-Standard in Zukunft als Mechanismus ablösen soll und der auch die Märkte für die freiwillige CO2-Kompensation beeinflussen wird. Die Gastländer werden durch den neuen Mechanismus stärker in die Genehmigung und Durchführung von Klimaschutzprojekten involviert. In Zukunft müssen sie für A6.4ER, also für unter Artikel 6.4 fallende Emissionsreduktionszertifikate, entsprechende Anrechnungsanpassungen, sogenannte Corresponding Adjustments vornehmen. Damit ist gemeint, dass das Verkäuferland die Menge der übertragenen Emissionsminderungen von seiner Emissionsbilanz abzieht, während das Käuferland diese zu seiner Bilanz addiert, um sicherzustellen, dass eine doppelte Anrechnung von erzielten Reduktionen ausgeschlossen wird. Zunächst umstritten war die Höhe der Abgaben von durch Klimaschutzprojekte erzeugten Zertifikaten – sogenannte Share of Proceeds (SoP) – an den Anpassungsfond (Adaptation Fund), der Anpassungsmaßnahmen an den Klimaschutz in vulnerablen Ländern mitfinanzieren soll. Für unter Artikel 6.4 fallende Maßnahmen wurde ein SoP auf mindestens 5% der erzielten Emissionsminderungen vereinbart, und 2% der Gutschriften werden abgezogen und stillgelegt, um globale Emissionsminderungen (Overall Mitigation in Global Emissions; OMGE) sicherzustellen.


COP26 – Wie geht es nun weiter?

„Bemerkenswert ist, dass Anforderungen, Methodik und Verfahren im Rahmen von Artikel 6.4 sehr stark den bisherigen CO2-Standards wie CDM oder VCS ähneln, mit Ausnahme der größeren Involviertheit der Gastländer“, erklärt Joachim Sell. Die Umsetzung von Emissionsminderungsprojekten für den freiwilligen Markt werde sich nach seiner Auffassung deshalb in Zukunft nicht maßgeblich verändern. „Es ist davon auszugehen, dass es eine größere Methoden- und Technologieoffenheit bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten und umfassendere Investitionen in bislang unterrepräsentierte Projekttypen, wie etwa CO2-Senkenprojekte in der Landwirtschaft, geben wird.“ Wie der Experte betont, lassen sich die Auswirkungen des neuen Artikel 6.4 auf die freiwilligen CO2-Märkte in ihrer Gesamtheit noch nicht abschließend beurteilen, insbesondere hinsichtlich Corresponding Adjustments und des Transfers von Zertifikaten zur Neutralisierung bzw. Kompensation von unvermeidbaren Emissionen im Privatsektor. Vieles werde in den kommenden Wochen und Monaten noch durch die beteiligten Parteien – insbesondere die Zertifizierungsstandards – zu präzisieren und auszuformulieren sein.


Joachim Sell zeigt sich zufrieden mit dem Ausgang der Konferenz:

„Die COP26 war eine der erfolgreichsten der letzten Jahre, da sie substanzielle Erfolge und lang erwartete Regularien hervorbrachte. Insgesamt wurde ein geeigneter Rahmen geschaffen, um die Entwicklung der CO2-Märkte voranzutreiben. Die teilnehmenden Staaten haben nun die nötigen Instrumente zur Hand, um die Umsetzung des Pariser Regelwerks anzugehen. Von allen Stakeholdern wird dies jedoch höchstes Engagement erfordern.“

Joachim Sell, Head of Natural Climate Solutions bei First Climate