top of page

„Es gibt keine Alternative zu mehr Engagement beim Klimaschutz.“

Ein Interview mit Mike Hatert, COO von First Climate


Anlässlich unseres Firmenjubiläums blickt unser COO Mike Hatert auf 25 Jahre ambitionierte Klimaschutzarbeit bei First Climate zurück und beleuchtet die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. Lesen Sie das Interview hier.


An Interview with COO Mike Hatert on the occasion of First Climate's 25th anniversary





Mike, First Climate feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag. Was ist für dich der eine entscheidende Meilenstein in der Unternehmensgeschichte?


First Climate begann 1999 mit einer Idee in Zürich und hat sich zu einem Unternehmen entwickelt, das im Laufe der Jahre Tausende von Kunden auf der ganzen Welt auf ihrem Weg zu mehr Klimaschutz unterstützt hat. Ich empfinde es als Privileg, mein Berufsleben dem Klimaschutz widmen zu können, gemeinsam mit dem gesamten First Climate-Team und in Zusammenarbeit mit so vielen großartigen, engagierten Unternehmen und Partnern auf der ganzen Welt.


Es ist schwierig, einen einzelnen Meilenstein in der Geschichte von First Climate hervorzuheben. Ich denke, was unser Unternehmen schon immer ausgezeichnet hat, ist die Fähigkeit, in einem noch jungen und sich ständig verändernden Marktumfeld neue und effektive Klimalösungen zu entwickeln. Von den Anfängen der Projektentwicklung in den späten 1990er-Jahren bis hin zu den neuesten Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien oder auf dem Gebiet der natürlichen oder technischen CO2-Senkentechnologien war es immer unser Ziel, die richtigen Instrumente für effektive Klimaschutzmaßnahmen anzubieten. Und dieses Ziel treibt mich und das ganze Team bis heute an.



Was unser Unternehmen schon immer ausgezeichnet hat, ist die Fähigkeit, in einem noch jungen und sich ständig verändernden Marktumfeld neue und effektive Klimalösungen zu finden.

Bei First Climate arbeiten wir dafür länder- und bereichsübergreifend zusammen, um unsere Projektexpertinnen und -experten vor Ort, unser Green Energy-Team, unsere Nachhaltigkeits-Consultants und alle anderen Mitarbeitenden zusammenzubringen. Für uns intern bedeutet dies einheitlichere Prozesse, einen besseren Zugang zur Expertise der anderen und ein stärkeres Team- und Zusammengehörigkeitsgefühl. Für unsere Kunden bedeutet es einen optimierten Zugang zu all unseren Dienstleistungen auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Ich bin stolz darauf, dass sich First Climate von einem Nischenanbieter für Umweltdienstleistungen zu einem Partner für Unternehmen auf ihrem Weg zum Klimaschutz entwickelt hat.






Nach wie vor ist die Welt weit davon entfernt, die internationalen Klimaziele zu erreichen. Wie groß ist der Frust beim Realitätscheck in Sachen Klimaschutz?


Es stimmt, die Entwicklung beim Klimaschutz ist nicht – oder zumindest noch nicht – die große Erfolgsgeschichte, die wir uns beim Abschluss des Pariser Abkommens erhofft haben. Schaut man jedoch genauer hin, sieht man durchaus auch positive Entwicklungen, die Mut machen können.


Ein aktueller Bericht der Internationalen Energieagentur beispielsweise belegt, dass die Erzeugungskapazitäten für Energie aus erneuerbaren Quellen im Jahr 2023 weltweit im Rekordtempo gewachsen sind. Die Substitution fossiler Energiequellen ist ein entscheidender Beitrag zum internationalen Klimaschutz. Andere Studien geben Hinweise darauf, dass die nationalen Emissionen in Ländern wie Deutschland oder auch den USA sinken werden. Darüber hinaus gibt es sehr vielversprechende Ansätze bei der Entwicklung und Skalierung neuer Klimaschutztechnologien, wie beispielsweise bei der Kohlenstoffspeicherung durch Pflanzenkohle. Diese sogenannten CO2-Senkentechnologien ermöglichen es, Kohlenstoffemissionen aktiv aus der Atmosphäre zu entfernen – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen.


Es gibt keine Alternative zu mehr Engagement beim Klimaschutz. Die Transition zu einem CO2-effizienten Wirtschaftssystem und das freiwillige Engagement von Unternehmen sind unverzichtbar für den Klimaschutz. Wir haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse und wir haben die Technologie, um wirksame unternehmerische Dekarbonisierungsstrategien umzusetzen. Gemeinsam müssen wir dafür Sorge tragen, sie bestmöglich einzusetzen.






Also überwiegt der Optimismus? Was sind die wichtigen Entwicklungen beim Klimaschutz?


Mein persönlicher Hintergrund ist die nachhaltige Energieversorgung bzw. das Thema Energieeffizienz und ich bin überzeugt, dass in diesen Bereichen noch großes Klimaschutzpotenzial für Unternehmen liegt und weiter neue Lösungen entstehen werden, die sich direkt emissionsmindernd auswirken. Es gibt viele spannende Entwicklungen in diesem Bereich: Power Purchase Agreements (PPAs) sind beispielsweise eine interessante und für beide Seiten vorteilhafte Möglichkeit, Erzeuger von grüner Energie mit Unternehmen zusammenzubringen, die auf saubere Energie umsteigen wollen. Darüber hinaus sind neue I-REC-Märkte in immer mehr Regionen, insbesondere in Asien und Lateinamerika, exponentiell gewachsen. Grüne Wasserstoff- und Biogasprodukte sind weitere vielversprechende Lösungen mit großem Potenzial für die Energiewende in der Welt. Es ist wichtig, diese Technologien schnell weiterzuentwickeln und weiter zu skalieren.






Zuletzt haben sich viele Unternehmen mit kritischen Medienberichten und dem Vorwurf des „Greenwashing“ konfrontiert gesehen, weil sie Klimaschutzprojekte unterstützen. Wo liegt die Grenze zwischen effektiven Klimaschutzmaßnahmen und Greenwashing?


Kritik ist wichtig, um die Integrität und Qualität von projektbasierten Klimalösungen zu erhalten. Ich persönlich glaube aber, dass die Art und Weise, wie diese Kritik aktuell in vielen Fällen geäußert wird, dem Klimaschutz eher schadet als nützt. Die versuchte Skandalisierung vermeintlicher oder auch tatsächlicher Missstände verhindert aus meiner Sicht leider allzu oft eine ehrliche, sachliche und konstruktive Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen projektbasierter Klimaschutzmaßnahmen. 


Man muss zur Kenntnis nehmen, dass marktbasierte Klimaschutzmechanismen und der freiwillige CO2-Markt nach wie vor relativ junge Konstrukte sind, die weiter wachsen und sich entwickeln und damit einer permanenten Evolution unterliegen. Dass es dabei auch zu Fehlentwicklungen kommen kann, lässt sich aus meiner Sicht nicht vollkommen ausschließen. Es ist sehr bedauerlich, dass einzelne Projekte oder Projektentwickler Lücken genutzt haben, um Qualitätsstandards zu umgehen. Auch dass einzelne Unternehmen unbegründete oder nicht transparente Klimaneutral-Versprechen abgegeben haben, ist problematisch. Aber die Erfahrung der zurückliegenden Jahre zeigt auch, dass die Verbindung von Wirtschaft und Klimaschutz ein funktionierendes Konzept mit großem Potenzial ist. Viel Forschungsarbeit ist in die Entwicklung der Projektmethoden und Zertifizierungsstandards geflossen um die Integrität des Marktes sicherzustellen und es wird fortwährend weiter daran gearbeitet. Initiativen wie die Integrity Council for the Voluntary Carbon Market und die von ihr entwickelten Core Carbon Principles werden ebenfalls wichtige Leitplanken für den freiwilligen Markt sein, um Qualität und Integrität des projektbasierten Klimaschutzes langfristig sicherzustellen.


Die Uhr tickt, und wir dürfen uns nicht durch die Suche nach Perfektion vom Kurs abbringen lassen.

Fest steht: Die Uhr tickt, und wir dürfen uns nicht durch die Suche nach Perfektion vom Kurs abbringen lassen. Zeit ist der kritische Faktor im Klimaschutz. Wir brauchen jetzt effiziente und skalierbare Lösungen für wirksame Klimaschutzmaßnahmen und wir brauchen Unternehmen, die sich zur Dekarbonisierung ihrer Betriebe und zur Unterstützung globaler Klimaschutzmaßnahmen verpflichten. Ich empfinde es deshalb als unfair, dass Unternehmen, die sich dem Klimawandel stellen und freiwillig Klimaprojekte unterstützen, kritisiert werden, während diejenigen, die gar nichts tun, allzu oft mit ihrer Haltung davonkommen.






Welche Rolle werden CO2-Zertifikate für den unternehmerischen Klimaschutz spielen?


CO2-Zertifikate sind eine Möglichkeit, Finanzmittel dorthin zu lenken, wo sie im Sinne des Klimaschutzes am dringendsten benötigt werden und als Ergänzung zu ambitionierten Dekarbonisierungsmaßnahmen den größten Nutzen erzielen. Wir beobachten, dass im Vergleich zu früheren Zeiträumen, immer mehr Unternehmen größten Wert auf die Qualität der von ihnen unterstützten Projekte und die tatsächlich erzielte Klimawirkung legen. Ich halte das für einen sehr positiven Trend, denn CO2-Zertifikate sind ein wichtiges Instrument für Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen und werden das auf absehbare Zeit auch bleiben.



Der Praxis-Check zeigt uns, dass CO2-Zertifikate besser sind als aktuell ihr Ruf. Studien haben gezeigt, dass fast 60 Prozent der Unternehmen, die CO2-Zertifikate kaufen, geringere jährliche CO2-Emissionen haben als Unternehmen, die dies nicht tun. Und Unternehmen, die Emissionszertifikate kaufen, setzen sich dreimal häufiger wissenschaftlich fundierte Ziele und berichten öfter über ihre Emissionen. Mit anderen Worten: CO2-Zertifikate werden nicht als Ersatz für Klimaschutzmaßnahmen genutzt, sondern zusätzlich.


Studien haben gezeigt, dass fast 60 Prozent der Unternehmen, die CO2-Zertifikate kaufen, geringere jährliche CO2-Emissionen haben als Unternehmen, die dies nicht tun.

Der Klimawandel ist da und es liegt an uns, wie wir darauf reagieren. CO2-Zertifikate sind ein Instrument, das wir auf unserem Weg zu Netto-Null nicht ignorieren können.






Worin besteht aus deiner Sicht die große Herausforderung für die Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen in den nächsten Jahren?


In der Dekarbonisierung der Lieferketten – ganz eindeutig. Die Dekarbonisierung des eigenen Betriebs ist eine Herausforderung, aber die Dekarbonisierung der Lieferkette ist eine ganz andere. Eine CDP-Studie hat gezeigt, dass die Emissionen der Lieferkette die direkten Emissionen des Unternehmens um den Faktor 10 bis 28 übersteigen können. Wenn Unternehmen ihre Klimaziele erreichen wollen, ist es also entscheidend, Emissions-Hotspots nicht nur in den eigenen Operationen, sondern insbesondere auch upstream und downstream zu identifizieren und zu managen.


Wenn Unternehmen ihre Klimaziele erreichen wollen, ist es also entscheidend, Emissions-Hotspots nicht nur in den eigenen Opeartionen, sondern insbesondere auch upstream und downstream zu identifizieren und zu managen.

Das ist eine Herausforderung, denn Lieferketten sind immer individuell; es gibt keine Patentlösung. Wir haben immer wieder festgestellt, dass das Management der Emissionen entlang der Lieferkette eines Unternehmens, der sogenannten Scope-3-Emissionen, eine effektive Strategie zur Einbindung von Stakeholdern, Erfahrung in der Dekarbonisierung der Lieferkette und manchmal auch Kreativität und ein Denken über den Tellerrand hinaus erfordert.


Dies ist auch der Grund, warum die Offenlegung von Klimadaten und das entsprechende Nachhaltigkeits-Reporting für Unternehmen so wichtig sind, denn sie können dazu beitragen, diese Hot Spots zu identifizieren und wichtige Diskussionen mit Stakeholdern anzustoßen. Da mit der CSR-Richtlinie die Nachhaltigkeits-Berichterstattung für immer mehr Unternehmen verpflichtend wird, wird dieses Thema in Zukunft massiv an Bedeutung gewinnen.






Worauf sollten Unternehmen achten, die Klimaschutzmaßnahmen ergreifen?


Transparenz und Integrität sind entscheidend. Einer der größten Schritte, den wir bei First Climate in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren gemacht haben, ist der Ausbau unserer Projektentwicklungs-Leistungen: Kunden haben die Möglichkeit, bei der Entwicklung ihres eigenen Klimaprojekts eng mit den First Climate Experten-Teams zusammenzuarbeiten und so direkten Einfluss auf die Ausrichtung, die Entwicklung und die Ergebnisse des Projekts zu nehmen. Dies kann eine zusätzliche Unterstützung für globale Klimaschutzmaßnahmen sein oder wir können Wege finden, ein Projekt in die Lieferkette eines Unternehmens zu integrieren, um dessen Scope-3-Emissionen direkt zu reduzieren.


Auch die Offenlegung von Klimaauswirkungen – sowohl durch freiwillige als auch durch verbindliche Standards – kann die Transparenz der Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen erleichtern und fördern. Mit unserem Consulting-Bereich bieten wir Unternehmen kompetente Unterstützung dabei, sich auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeits-Berichterstattung einzustellen und alle damit zusammenhängenden Aufgaben effizient und zielgerichtet umzusetzen.



Transparenz und Integrität sind entscheidend.

Auch die Offenlegung von Klimaauswirkungen – sowohl durch freiwillige als auch durch verbindliche Standards – kann die Transparenz der Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen erleichtern und fördern. Mit unserem Consulting-Bereich bieten wir Unternehmen kompetente Unterstützung dabei, sich auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeits-Berichterstattung einzustellen und alle damit zusammenhängenden Aufgaben effizient und zielgerichtet umzusetzen.







Wie sieht die Klimaschutz-Vision von First Climate für die kommenden 25 Jahren aus?  


 In 25 Jahren stehen wir kurz vor der 2050-Grenze. 2050 ist das Jahr, das viele Länder, Unternehmen und ein Großteil unserer Kunden als Zieldatum für die Netto-Null-Emissionen festgelegt haben. Wir bei First Climate haben ein klares Ziel: Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Ziele bis dahin zu erreichen. Wenn wir es schaffen, die Erderwärmung zu begrenzen, dann ist das ein Erfolg für alle zukünftigen Generationen.


Es ist schwierig, mit Sicherheit zu sagen, was passieren wird, aber First Climate wird weiter daran arbeiten, Lösungen zum Umgang mit diesen Veränderungen bzw. zur Verlangsamung des Klimawandels zu entwickeln- und gemeinsam mit unseren Kunden umzusetzen. Die Klimakrise ist zu wichtig, um anders zu handeln.



Vielen Dank für das Gespräch, Mike.







Comments


fc_trans1.png

 Registrieren Sie sich für unseren Newsletter!

Sprachversion des Newsletters
bottom of page