Klimaschutz durch sauberes Kochen
- Pablo Carballo Chanfón

- vor 17 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Perspektiven eines Insiders auf das Kranti Clean Cooking-Projekt in Indien
Ein Blog von Pablo Carballo Chanfón, Projekt Manager bei First Climate
First Climate hat ein Projekt zur Verbesserung der Energieeffizienz für Haushalte im ländlichen Indien entwickelt. Die Initiative trägt offiziell den Namen Kranti Clean Cooking und wird im Bundesstaat Madhya Pradesh umgesetzt. Das Projekt erzeugt vom Gold Standard verifizierte CO2-Zertifikate, die mit dem Core Carbon Principles (CCP)‑Label des Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) ausgezeichnet sind. Damit ist Kranti das erste Kochofenprojekt in Indien, das CO2-Zertifikate mit diesem Qualitätslabel ausgeben darf. In diesem Blog gibt Pablo Carballo Chanfón, Carbon Project Manager bei First Climate spannende Einblicke in dieses herausragende Klimaschutzprojekt.

Von Praxiserfahrung zu echter Projektqualität
Kennt man die Lebensrealität in Madhya Pradesh nicht, kann man sich kaum vorstellen, welchen Unterschied effiziente Kochmethoden für Familien machen. Wenn man vor Ort sieht, wie Menschen mit traditionellen Lehmöfen kochen, wird spürbar, welchen Belastungen sie täglich ausgesetzt sind: stundenlanges Sammeln von Brennholz, durch Rauch belastete Küchenräume und ineffiziente Kochroutinen. Genau hier setzt unser Kranti‑Projekt an.
Gemeinsam mit Kosher Climate und lokalen Fachkräften haben wir das Kranti-Projekt entwickelt, um den Umstieg von traditionellen Lehmöfen – sogenannten Chulhas – auf effizientere, emissionsärmere Kochöfen zu unterstützen. Das Projekt ist durch den Gold Standard zertifiziert und gehört weltweit zu den ersten Initiativen für verbesserte Kochöfen, deren ausgegebene CO2-Zertifikate das CCP‑Label tragen.

Kranti hat das Ziel zu zeigen, wie Projekte für sauberes Kochen Klimawirkung und hohe Integrität vereinen können.

Die Arbeit an Kranti hat mir erneut gezeigt, dass die Glaubwürdigkeit eines Klimaschutzprojekts nicht allein von der angewendeten Methodik abhängt, sondern ebenso von der Sorgfalt, mit der es vor Ort geplant und umgesetzt wird. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich war, wie aufwendig es ist, die Projektteilnehmenden auszuwählen und ein so hoch robustes Monitoring-System wie möglich zu etablieren, das die tatsächliche Nutzung der Technologie in den Haushalten nachvollziehbar abbildet.
Um 50.000 teilnehmende Haushalte zu erreichen, mussten wir fast doppelt so viele besuchen – verteilt auf mehr als tausend Dörfer. Die Haushalte wurden sorgfältig ausgewählt und mussten bestimmte sozioökonomische Kriterien erfüllen, bevor sie als Projektbegünstigte in Frage kommen konnten. Diese umfangreiche Vorarbeit hat entscheidend zur heutigen Projektstruktur und zum Monitoring‑System beigetragen.
Warum saubere Kochmethoden wichtig sind
Traditionelle Kochmethoden sind ineffizient und tragen zur einem erhöhten Feuerholzbedarf bei. Das erhöht den Druck auf lokale Wälder und führt dazu, dass CO2-Emissionen freigesetzt werden. Freisetzung von CO2-Emissionen. In vielen Dörfern gehört das Sammeln von Feuerholz zum Alltag, was mit dem Zurücklegen langer Wege und viel Zeitaufwand verbunden ist. Wenn man diese Alltagsrealität direkt vor Ort erlebt, vor allem die Auswirkungen auf Frauen und Kinder, bekommen die durch das Projekt erzielten Emissionsminderungen einen sehr greifbaren Kontext.
Da der Bedarf nach Brennholz abnimmt, erzielt das Kranti‑Projekt erhebliche Emissionsreduktionen. Gleichzeitig verbessert es die Luftqualität in Innenräumen, reduziert den Zeitaufwand für das Holzsammeln und schafft lokale Jobs. Diese Kombination aus messbarem Klimanutzen und spürbaren Verbesserungen der täglichen Lebensbedingungen machen sauberes Kochen für mich zu einer besonders wirkungsvollen Klimaschutzlösung. Jede Mahlzeit, die mit einem effizienteren Kochofen zubereitet wird, trägt zum Klimaschutz bei.

Jede Mahlzeit, die auf einem saubereren Herd gekocht wird, wird zu einem kleinen klimafreundlichen Beitrag – Tag für Tag auf's Neue.

Hausbesuche für ein transparentes Monitoring des Projektnutzens
Die von uns angewandte Gold‑Standard‑Methodik legt großen Wert auf gründliches Monitoring und transparente Dokumentation. Unsere Teams besuchen die teilnehmenden Haushalte persönlich, um hochwertige und verlässliche Daten zu erfassen. Bei diesen Hausbesuchen sprechen sie mit den Familien, überprüfen die tatsächliche Nutzung der Kochöfen und unterstützen die Familien dabei, die Geräte optimal einzusetzen.

Alle erhobenen Daten fließen anschließend in ein Monitoringsystem ein und werden in einem digitalen Dashboard gespeichert, was eine genaue Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Kochofens ermöglicht. Diese sorgfältigen Maßnahmen und Prozesse zeigen, dass das Projekt zurecht Gold Standard-zertifiziert ist und den Anforderungen des CCP‑Rahmenwerks entspricht. Für unser Team war die Auszeichnung mit dem CCP‑Label ein klarer Beleg dafür, dass unser Fokus auf Transparenz und Monitoring der richtige Ansatz ist.
Warum sauberes Kochen?
Traditionelle Kochmethoden sind tief im Alltag und in der Kultur verwurzelt. Ein Wandel funktioniert deshalb nur, wenn er umsetzbar ist und von den lokalen Gemeinschaften angenommen wird. Deshalb haben unsere Partner intensiv mit den Gemeinden vor Ort zusammengearbeitet, um ihnen die Vorteile sauberer Kochlösungen näherzubringen. Statt lediglich neue Geräte zu verteilen, ging es darum, den Familien gesündere und effizientere Kochpraktiken zu zeigen.
Ein Kochofenprojekt mit hoher Integrität
Kranti ist weit mehr als ein Projekt zur bloßen Verteilung von effizienten Kochöfen. Es zeigt, wie Klimaschutzmaßnahmen messbare Emissionsminderungen erzielen können und gleichzeitig den Alltag ländlicher Gemeinden spürbar verbessern. Für mich verdeutlicht das Projekt, wie entscheidend eine sorgfältige Auswahl der Begünstigten, der enge Austausch mit den Gemeinden und ein robustes Monitoring sind, um die Integrität sicherzustellen, die der Kohlenstoffmarkt zunehmend fordert.
Interview

Um die Hintergründe dieses Klimaschutzprojekts besser zu verstehen, hat unser Redaktionsteam mit dem Autor dieses Blogs gesprochen, der das Kranti-Projekt in Indien als Projektentwickler leitet.

1. Wie erzielt das Projekt Wirkung über den Klimanutzen hinaus?
Der Zusatznutzen des Kranti‑Projekts ergibt sich direkt aus dem Umstieg auf die neue Technologie. Die effizienteren Öfen verbrauchen weniger Brennstoff und reduzieren dadurch die Luftverschmutzung in Innenräumen deutlich – ein wichtiger Beitrag zur Verringerung von Atemwegserkrankungen. Im direkten Austausch mit den Familien ist uns aufgefallen, dass die verbesserte Luftqualität häufig das Erste ist, was sie positiv hervorheben.
2. Warum ist das CCP-Label für Käuferinnen und Käufer relevant?
Wir beobachten, dass Qualität im freiwilligen Kohlenstoffmarkt immer weiter in den Vordergrund rückt. Das CCP‑Label kennzeichnet, dass ein Projekt strenge Anforderungen an Governance und Berechnungsmethoden erfüllt. In einem zunehmend regulierten Marktumfeld schaffen CCP‑zertifizierte Emissionsminderungen mehr Vertrauen und Sicherheit für Unternehmen, die die Unterstützung von Klimaschutzprojekten zur Umsetzung ihrer Klimastrategie nutzen.
Bild 1: Ein Teilnehmer des Kranti-Projekts erhält einen verbesserten Kochofen; Bilder 2–4: Verschiedene Eindrücke eines nächtlichen Kontrollbesuchs. Effiziente Kochöfen tragen dazu bei, den Druck auf die lokalen Wälder zu verringern und effizienter zu kochen.
3. Was macht dieses Projekt aus deiner Sicht besonders?
Am meisten beeindruckt mich der enorme Aufwand, der in die Identifizierung der 50.000 Haushalte geflossen ist, die schließlich am Projekt teilnehmen konnten. Unsere Teams haben rund 90.000 Haushalte in 1.435 Dörfern im ländlichen Madhya Pradesh besucht, bevor schließlich 50.000 effiziente Kochöfen verteilt wurden. Der Prozess der Teilnehmer-Identifizierung dauerte etwa ein Jahr und war entscheidend, um sicherzustellen, dass die Unterstützung tatsächlich bei den richtigen Familien ankommt und das Projekt spürbare Wirkung entfalten kann.
Für die Auswahl haben wir klare Kriterien definiert. So musste der Waldanteil in einer bestimmten Region mindestens 30 Prozent der Gesamtfläche betragen, um sicherzustellen, dass echte Brennholzeinsparungen möglich sind. Außerdem konzentrierten wir uns auf sogenannte Panchayats – Dorfgemeinschaften mit 200 bis 1.000 Haushalten. Dies ermöglichte es unseren Teams, ländliche Gemeinden zu erreichen, die nicht zu abgelegen waren.
Auch Gebiete mit hoher Überschwemmungsgefahr wurden ausgeschlossen, da dort ein größeres Risiko besteht, dass Familien umziehen, was ein langfristiges Monitoring erschwert hätte. Des Weiteren dienten die Wohnverhältnisse als Indikator für Haushalte nahe der Armutsgrenze, die einen geringen Gasverbrauch aufwiesen. Regionen, die von ländlichen oder indigenen Konflikten betroffen sind, wurden ebenfalls ausgeschlossen, um sicherzustellen, dass ein kontinuierliches Monitoring auch künftig gewährleistet und fortgeführt werden kann.
Letztendlich hat sich der hohe Aufwand mehr als gelohnt: das Projekt erreicht nicht nur die wirklich bedürftigen Haushalte in der Region, sondern ermöglicht gleichzeitig eine verlässliche Überwachung der Ofennutzung und der Gesamtwirkung des Projekts.
Pablo schaut bei der Inspektion eines Kochherds zu; weitere Eindrücke von den Besuchen vor Ort und dem Alltag der Begünstigten von Kranti.
Erfahren Sie hier, wie Sie Klimaschutz in ländlichen Regionen Indiens unterstützen können.
Über den Autor

Pablo Carballo Chanfón ist seit 2020 Senior Project Manager, Int. Compliance & Community/RE bei First Climate (Switzerland). Sein Fokus liegt auf dem Bereich der Kohlenstoff-Finanzierung, insbesondere auf Projekten mit Community-Fokus, wie etwa effiziente Kochöfen und der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein weiterer Schwerpunkt von Pablo sind Artikel 6-Projekte. Pablo hat einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre mit dem Nebenfach Global Sustainability von der University of California in Irvine. Außerdem hat er einen Master of Science in der Klimaforschung mit Schwerpunkt Ökonomie von der Universität Bern. Als Teamleiter des Kranti-Projekts verbindet Pablo technische und ökonomische Expertise, um hochwertige Klimaschutzlösungen voranzutreiben.





































