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Von Torfmoos, Drohnen und Schneeschuhen: Klimaschutz zum Anfassen im Langenhausener Moor

Hinter den Kulissen des ZukunftMoor-Projekts


Science-Based Targets für KMU

Wer Klimaschutz im Moor erleben will, braucht gutes Schuhwerk. Manchmal sogar Schneeschuhe. Das haben meine Kolleginnen und ich bei unserem jüngsten Besuch bei unseren Freunden von ZukunftMoor in Gnarrenburg gelernt. Denn im Langenhausener Moor in Niedersachsen geht es heute dank ZukunftMoor wieder nass zu – so, wie es sein soll. Wo entwässerte Moorflächen heute Kohlenstoff freisetzen, entsteht Schritt für Schritt wieder ein lebendiger, nasser Naturraum mit Klimaschutzpotenzial. Wir waren vor Ort, um uns anzusehen, wie das funktioniert, welche Technik dabei zum Einsatz kommt und wie anspruchsvoll und faszinierend die Arbeit im Moor ist. Klimaschutz zum Anfassen!


Der Boden ist weich und feucht und beim Gehen hinterlassen wir tiefe Stapfen. „Genau das macht die Arbeit hier so besonders“, berichtet uns Julia, die Geschäftsführerin von ZukunftMoor. „Jede Bewegung auf der Fläche muss gut überlegt sein, und jede technische Lösung, die wir nutzen, zum Moor passen. Schweres Gerät können wir auf dem weichen Boden kaum einsetzen, zumal es in diesem sensiblen Lebensraum irreparable Schäden hinterlassen könnte.“


Gefragt sind im Moor deshalb clevere Lösungen.


Warum das Moor wieder nass werden muss

Moore gehören zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Solange sie nass sind, bleibt der im Torf gebundene Kohlenstoff weitgehend erhalten. Werden Moore jedoch entwässert, kommt Sauerstoff an den Torfkörper. Der Torf zersetzt sich, und aus dem Kohlenstoffspeicher wird eine Emissionsquelle.


Genau das ist in Deutschland großflächig passiert. Viele Moorflächen wurden über Jahrhunderte hinweg trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Heute wissen wir: Für den Klimaschutz ist die aktive Wiedervernässung dieser Flächen ein enorm wichtiger Hebel.


Dafür kappt das Team von ZukunftMoor Drainagen, baut Polder und Reservoirs und sorgt über ein gezieltes Wassermanagement dafür, dass der Wasserstand wieder dauerhaft bis an die Bodenoberfläche reicht. Was technisch klingt, sieht vor Ort ziemlich handfest aus: Wasserläufe, ein teichartiges Rückhaltebecken und ein Erdwall, der das Projektgebiet ringartig umschließt.


Bilder 1, 3-9: ©ZukunftMoor / Bilder 2, 10: ©Kristina Steiner


Zwischen Torfmoos und Technik

Ein wichtiger Baustein des ZukunftMoor-Projekts ist der landwirtschaftliche Anbau von Torfmoos im Rahmen einer sogenannten Paludikultur. Dabei kommen spezielle landwirtschaftliche Verfahren zum Einsatz, die es ermöglichen, nasse Moorflächen zu bewirtschaften, ohne den Torfkörper weiter zu zerstören. Das geerntete Torfmoos kann anschließend weiterverarbeitet werden und der Erdenindustrie als wertvolles Substrat und Torfersatz dienen.


Vor Ort begegnet uns Torfmoos überall: als hellgrüne Pflanzenmasse auf der Fläche, in großen Säcken und bei der Aussaat in langen Reihen auf den vorbereiteten Torfböden. Es wirkt unscheinbar, weich und leicht – und ist doch ein wichtiger Teil des Projektes. Denn Torfmoos kann helfen, den Moorboden zu stabilisieren, die Torfbildung zu unterstützen und wiedervernässte Flächen langfristig nachhaltig nutzbar zu machen.


Bilder 2, 3, 4, 7: ©ZukunftMoor / Bilder 1, 4, 6: ©Kristina Steiner


Damit das Torfmoos dorthin kommt, wo es gebraucht wird, setzt ZukunftMoor auf eine ungewöhnliche Helferin: eine Schwerlastdrohne. Sie transportiert das Pflanzenmaterial über die Fläche und hilft dabei, empfindliche Bereiche zu schonen. Es ist ein eindrucksvolles Bild, wie das Hightech-Fluggerät über der Moornatur surrt. Und es zeigt sehr gut, wie dieses Projekt funktioniert – mit Respekt vor der Natur, aber ohne Scheu vor innovativen Lösungen.


Schneeschuhe im Moor

Nicht alles lässt sich aus der Luft erledigen. Viel Arbeit passiert direkt auf der Fläche. Und dort gelten andere Regeln als auf einem normalen Acker.


Um sich auf dem weichen Untergrund fortzubewegen, nutzt das ZukunftMoor-Team unter anderem Schneeschuhe. „Das ist im Prinzip eine ganz einfache, praktische Lösung“, erklärt Julia. „Das Gewicht verteilt sich besser, man sinkt weniger tief ein und der empfindliche Boden wird geschont – eben wie beim Schneeschuhwandern im Winterurlaub.“



Ein Kettenfahrzeug für die Torfmoos-Ernte

Auch für die Ernte des Torfmooses braucht es Speziallösungen. Deshalb kommt bei ZukunftMoor ein eigens entwickeltes, kompaktes Kettenfahrzeug zum Einsatz. Es ist darauf ausgelegt, auf feuchtem Untergrund zu arbeiten und die Fläche möglichst wenig zu belasten.


©ZukunftMoor
©ZukunftMoor

Auch hier zeigt sich der besondere Charakter des Projekts: Auf der einen Seite steht eine der ältesten naturbasierten Klimaschutzlösungen überhaupt, ein nasses, intaktes Moor. Auf der anderen Seite stehen Drohnen, Spezialfahrzeuge, modernes Wasser- und Landschaftsmanagement sowie ein junges, motiviertes Team, das mit viel Pioniergeist daran arbeitet, seine Vision in die Praxis umzusetzen.


So entsteht ein Projekt, das Klimaschutz, Biodiversität, Wassermanagement und regionale Wertschöpfung in einzigartiger Weise miteinander verbindet und das uns bei unserem Besuch einmal mehr begeistert hat.


Dr. Susanne Peindl, Managing Director First Climate Markets GmbH, ©ZukunftMoor
Dr. Susanne Peindl, Managing Director First Climate Markets GmbH, ©ZukunftMoor

Zertifizierter Klimaschutz aus Deutschland: Unsere Partnerschaft mit ZukunftMoor

Moore sind wichtig für den Klimaschutz. Im Langenhausener Moor zeigt ZukunftMoor, wie diese natürliche Stärke mit moderner Technik neu aktiviert werden kann. Gleichzeitig entstehen weitere positive Effekte: Das Moor kann Wasser besser zurückhalten, moortypische Arten können zurückkehren, und es entsteht eine neue Form regionaler, torferhaltender Landwirtschaft.


Das ZukunftMoor-Projekt ist eines der wenigen zertifizierten Klimaschutzprojekte in Deutschland. Es zeigt, dass naturbasierte Lösungen nicht abstrakt oder weit entfernt sein müssen. Sie können direkt hier vor unserer Haustür umgesetzt werden.




Erfahren Sie mehr über das ZukunftMoor-Projekt und wie Sie es unterstützen können:




Die Autorin


Susanne Peindl

Dr. Susanne Peindl

Managing Director

First Climate Markets GmbH

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