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Schweiz: Energiekrise vs. Klimakrise?

Warum die beiden Krisen nicht konkurrieren sollten und wie wir in der Schweiz beide angehen können


Martina Rothenberger, Junior Consultant - Corporate Climate Strategies, aus unserem Zürcher Team, analysiert die aktuelle Lage in der Schweiz und argumentiert, dass man Energiekrise und Klimakrise nicht getrennt betrachten sollte.

Schweiz: Energiekrise vs. Klimakrise?
© jozefmicic — stock-adobe.com

Webinare, Artikel, Fernsehberichte, Symposien: Die Themen „Energiekrise“ und „Energieversorgungssicherheit“ waren in den vergangenen Monaten prominent in aller Munde. Weltweit ist die Krise spürbar, und doch ist die Lage in manchen Ländern besonders besorgniserregend – darunter auch in der Schweiz: Das Land ist zu 70% abhängig von Energieimporten. Die aussergewöhnlich warmen Flusstemperaturen des vergangenen Sommers, die zur Abschaltung mehrerer französischer Atomkraftwerke führten, und der (vollständige) Ausfall der russischen Gaslieferungen infolge des Krieges in der Ukraine hatten erhebliche Probleme bei der Gewährleistung der Energieversorgung in der Schweiz zur Folge.


In den zurückliegenden Monaten sind die Energiepreise rasant gestiegen, was zu Liquiditätsengpässen bei Unternehmen und einer erhöhten Belastung für die Haushalte geführt hat. Im September 2022 versprach die Schweizer Regierung dem Stromversorger Axpo – einem der grössten Energieversorger der Schweiz – eine Kreditlinie in Höhe von 4 Mrd. CHF (ca. 4,1 Mrd. EUR), um das Überleben des Unternehmens zu sichern.


Hohe Energiepreise lassen die Schweiz erzittern

Die Strompreise für den Winter 2022/23 sind erschreckend: Der Terminmarkt zeigt, dass die Stromkosten an der Energiebörse vor der Krise bei 50-100 Euro (ca. 49-98 CHF) lagen; im August 2022 kletterten die Preise jedoch auf über 1.000 Euro (ca. 988 CHF). Seitdem sind die Preise zwar gesunken, doch bleibt die Situation volatil. Im Durchschnitt werden die Energiepreise für Schweizer Haushalte voraussichtlich um etwa 27% steigen. Die hohen Stromgebühren stellen nicht nur eine grosse Herausforderung, insbesondere für Unternehmen mit hohem Strom- und Gasverbrauch, dar, sondern könnten möglicherweise sogar in eine Wirtschaftskrise münden.


"Die hohen Stromgebühren stellen nicht nur eine grosse Herausforderung, insbesondere für Unternehmen mit hohem Strom- und Gasverbrauch, dar, sondern könnten möglicherweise sogar in eine Wirtschaftskrise münden. "


Inzwischen befinden wir uns in der Schweiz bereits im siebten Jahr unserer Energiestrategie 2050, die darauf abzielt, unsere Kohlenstoffemissionen bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren und bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Damit dies gelingt, sind die Unternehmen gefordert, ihren Beitrag zur Reduktion der landesweiten Emissionen zu leisten. Angesichts steigender Energiepreise steht jedoch die Existenz vieler Unternehmen auf dem Spiel – bei Krisenmomenten dieses Ausmasses besteht nicht zuletzt auch die Gefahr, dass das unternehmerische Klima-Engagement aus dem Blickfeld gerät.


Doch wie können wir diese Energie- und Versorgungssicherheitskrise mit der akuten Klimakrise in Einklang bringen oder gar gemeinsam lösen? Welche Möglichkeiten gibt es und wie können wir zuversichtlich in unsere Zukunft blicken?


„Windows of opportunity“

Grosse, sich überschneidende Krisen können sogenannte „windows of opportunity“ mit sich bringen. Gemeint sind Zeitfenster, in denen Krisen einzeln keine grosse politische und wirtschaftliche Tragweite haben, zusammen jedoch Handlungs-Möglichkeiten eröffnen.


Beim vergangenen Swiss Green Economy Symposium forderte Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz, das Land müsse aus seinem Dornröschenschlaf erwachen, die nicht digitalisierten Schweizer Stromnetze erneuern sowie das Strom- und Energieabkommen mit der EU abschliessen. Dabei geht es nicht nur um die Förderung und Nutzung der Gebäudedigitalisierung, sondern auch um die dezentrale Stromproduktion. Solche Investitionen würden die Abhängigkeit von Importen im Hinblick auf die Versorgungssicherheit verringern, die Versorgung mit erneuerbaren Energien verbessern und damit die CO2-Emissionen reduzieren.

Bundeshaus in Bern, Schweiz
© Schlierner — stock-adobe.com

Dies ist besonders dann relevant, wenn sowohl Unternehmen als auch private Haushalte die Lösung der Krisen in den erneuerbaren Energien sehen. Alle Beteiligten sind zwar bereit, mehr in erneuerbare Energien und Wärme zu investieren, müssen jedoch aufgrund der Corona-Krise seit Monaten auf die dafür nötigen Fotovoltaik-Anlagen oder Wärmepumpen warten.


Widersprüchliche Massnahmen vermeiden

Gleichzeitig kann ein solches „window of opportunity“ bei falscher Betrachtung auch schnell zu einer existenziellen Krise oder zu Massnahmen führen, die genau das Gegenteil bewirken. Die Empfehlung der Schweizer Bundesämter, die Zweistoffanlagen auf Heizöl umzustellen, ist ein Beispiel für eine Massnahme, bei der Klimawandel und Energiekrise im Widerspruch zueinanderstehen. Diese Empfehlung mag im Ergebnis zur Entschärfung der akuten Gaskrise beitragen, da unsere Ölimporte im Gegensatz zu Gas nicht nahezu vollständig von Russland abhängen. Mit Blick auf seine Umweltauswirkungen schneidet Erdöl jedoch schlechter ab als Erdgas und führt zu einem Anstieg der Treibhausgasbilanz der Schweiz. Dies steht wiederum im Widerspruch zu den national festgelegten Beiträgen (engl. Nationally Determined Contributions, NDCs) der Schweiz im Rahmen des Pariser Klimaabkommens.


Krisen lassen sich nicht trennen

Sowohl die Energiekrise als auch die Klimakrise stellen Haushalte und Wirtschaft vor grosse Herausforderungen. Das Zeitfenster, in dem das im Pariser Abkommen festgelegte 1,5°C-Ziel erreicht werden soll, schliesst sich in besorgniserregender Geschwindigkeit, und schnell umsetzbare Lösungen für die Energiekrise sind begrenzt. Jedoch gibt es Wege, wie wir beide Krisen gemeinsam erfolgreich bewältigen und somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können.


Als Privatpersonen können wir unseren Beitrag leisten, indem wir unsere alltäglichen Gewohnheiten hinterfragen und uns aktiv an der Suche nach Lösungen für die beiden Krisen beteiligen. So können wir etwa auf erneuerbare Energien und energieeffiziente Beleuchtung setzen, oder auch unser Produktions-, Verbrauchs- und Nutzungsverhalten überdenken und ändern. Auf diese Weise können wir den übermässigen Verbrauch wertvoller Ressourcen vermeiden.


Als Unternehmen kann First Climate mit seiner Expertise in den Bereichen Klimaschutzlösungen und Grüne Energie dazu beitragen, dass Unternehmen nicht nur überleben, sondern florieren.


Wir müssen auf Kurs bleiben, um die Schweizer Klimaziele für 2050 rechtzeitig zu erreichen und machbare Lösungen für die Energiekrise sollten uns dabei helfen.


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