Definition globaler Standards für die Festlegung von Netto-Null-Unternehmenszielen

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) hat ein neues Grundlagenpapier veröffentlicht, das eine wichtige Zwischenstufe auf dem Weg zur Entwicklung eines standardisierten Net-Zero-Leitfadens für Unternehmen darstellt. Unter anderem untersucht und bewertet der Bericht verschiedene mögliche Strategien des unternehmerischen Klimaschutzes. Analysiert wird die Wirksamkeit dieser Ansätze in Bezug auf das Netto-Null-Ziel. Erstmals definiert die SBTi im Rahmen des Reports auch die Rolle der CO2-Kompensation bei der Erreichung dieses Ziels.

Bereits im Jahr 2018 kam der IPCC Sonderbericht zur globalen Erwärmung zu dem Ergebnis, dass die weltweiten Emissionen bis 2030 zwingend halbiert und bis 2050 auf null reduziert werden müssen, wenn es gelingen soll, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Seit der Veröffentlichung sind immer mehr Unternehmen dazu übergegangen, ihre Klimaschutzambitionen weiter zu erhöhen und ihre Emissionen entlang eines wissenschaftsbasierten Zielpfades zu reduzieren.

Zwar haben nach Angaben der Science Based Targets initiative (SBTi) bereits deutlich über 500 Unternehmen weltweit wissenschaftsbasierte Klimaziele eingeführt. Allerdings sei es aufgrund der unterschiedlichen Ansätze, mit denen die Unternehmen ihre Ziele verfolgen schwierig, den Beitrag an der Erreichung des globalen Netto-Null-Ziel zu messen, der sich daraus ergibt. Mit der Veröffentlichung des neuen Berichtes zielt die Science Based Targets Initiative darauf ab, ein einheitliches Verständnis des Konzepts zu schaffen und dadurch die Konsistenz der verschiedenen Klimastrategien und -ziele zu verbessern.

Zu diesem Zweck untersuchen die Autoren verschiedene Strategien des unternehmerischen Klimaschutzes und bewerten sie im Hinblick auf drei Dimensionen:

  • den Beitrag zur Erreichung des globalen Net-Zero-Ziels
  • den Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele
  • die langfristige Vereinbarkeit des Klimaschutzansatzes mit dem jeweiligen Geschäftsmodell

Als ambitioniertesten Ansatz beschreiben die Autoren den sogenannten „climate positive approach“. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, reduzieren Treibhausgasemissionen in ihrer Wertschöpfungskette, in einem Maß, das es erlaubt, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Darüber hinaus spielen bei dieser Strategie aber auch die Kompensation bzw. Neutralisation von CO2-Emissionen eine wichtige Rolle.

Net Zero und die Rolle der CO2-Kompensation

Um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, ist es dem Bericht zufolge unerlässlich, die Menge global entstehender Emissionen schnell deutlich zu reduzieren. CO2-Kompensation und die Neutralisation mithilfe von CO2-Senkenprojekten (Prozesse oder Aktivitäten, die Kohlenstoff physikalisch der Atmosphäre entziehen) können demnach die Reduzierung nicht ersetzen. Als wirksame Instrumente könnten sie jedoch dazu beitragen, das Erreichen des Netto-Null-Ziels zu beschleunigen und die Emissionsreduzierung damit wirksam ergänzen. Dies gilt insbesondere für Branchen und Bereiche, in denen die substanzielle Verringerung der CO2-Emissionen aufgrund des Mangels an effizienten Technologien nicht anders erreichbar sei.

Im Rahmen des climate positive-Ansatzes können die Kompensation und Neutralisation von Treibhausgasemissionen von Unternehmen in unterschiedlichen Phasen auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel eingesetzt werden: Unternehmen, die die Treibhausgasemissionen ihrer Wertschöpfungskette bereits auf Netto-Null reduziert haben, können zusätzlich CO2-Senkenprojekte unterstützen, um dazu beizutragen, der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen.

Solange ein Unternehmen das Netto-Null-Ziel noch nicht erreicht hat, kann es sich im Rahmen des Prozesses der Dekarbonisierung außerdem dazu entschließen, zusätzlich zur Reduktion von Emissionen Emissionsminderungsnachweise aus entsprechend zertifizierten Projekten zuzukaufen und Emissionen auszugleichen. Damit wird der kurzfristigen Wirksamkeit der CO2-Kompensation Rechnung getragen. Auf diese Weise könnten dringend benötigte Finanzmittel an Aktivitäten fließen, die Emissionen vermeiden oder die Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre senken, heißt es in dem Bericht. Die Kompensation von Emissionen trage auf diese Weise wesentlich zum globalen Übergang zum Netto-Null-Prinzip bei. Dass durch die finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten zusätzlich positive ökologische und soziale Vorteile im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung entstehen, sei ein nicht zu unterschätzender positiver Nebeneffekt.

Standpunkt von First Climate

„Die Veröffentlichung der Science Based Targets Initiative stellt eine wichtige Klarstellung der Schlüsselkonzepte im Zusammenhang mit dem Netto-Null-Konzept dar. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Harmonisierung der entsprechenden Übergangsprozesse. Wir freuen uns auch zu sehen, dass die Science Based Targets Initiative die wichtige Rolle würdigt, die die CO2-Kompensationen und CO2-Senkenprojekte in diesem Prozess spielen können. Als etabliertes und wirksames Instrument zur Reduzierung von Emissionen trägt die Kompensation schon heute entscheidend dazu bei, auf dem wichtigen Weg hin zu Netto-Null keine Zeit zu verlieren. Dass die Klimaschutzprojekte darüber hinaus ökologischen und sozialen Mehrwert erzielen, schafft zusätzliche Anreize für Unternehmen, sich aktiv am Prozess zu beteiligen.“

Ana Aires Carpinteiro, CO2-Expertin bei First Climate.

Die nächsten Schritte

Im nächsten Schritt plant die Science Based Targets initiative, detaillierte Kriterien für die Festlegung unternehmerischer Netto-Null-Klimaschutzziele festzulegen, ein entsprechendes Validierungs-Protokoll zu entwickeln und umfassende Leitfäden für die Festlegung wissenschaftsbasierter Klimaschutzziele bereitzustellen.

Lesen Sie den vollständigen Bericht hier:
https://sciencebasedtargets.org/wp-content/uploads/2020/09/foundations-for-net-zero-full-paper.pdf