Die Internationale Energie Agentur IEA hat ihren neuen Bericht ‚Renewables 2019‘ veröffentlicht. Der Bericht beschäftigt sich mit der zukünftigen Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors in den kommenden Jahren bis 2024 und sagt für diese Periode ein Wachstum der installierten Erzeugungskapazitäten von 50% voraus. Das entspräche einem Zubau von rund 1.200 GW – eine Größenordnung, die ungefähr der heute vorhandenen regenerativen Stromerzeugungskapazitäten der USA entspricht. Der IEA-Bericht untersucht, welche Faktoren die Entwicklung beeinflussen können und welche Herausforderungen das Wachstum des erneuerbare Energien-Sektors mit sich bringen wird.

Das Größte Wachstumspotenzial sieht der IEA-Bericht im Bereich der Fotovoltaik auf die alleine, nach Meinung der Autoren, rund zwei Drittel des erwarteten Kapazitätszuwachses entfallen werden. Im Bericht liegt deshalb ein besonderer Schwerpunkt auf der Solar-Technologie. Wie der Bericht konstatiert, habe die Entwicklung des Sektors bereits begonnen. Die IEA-Statistiken zeigen, dass alleine im Jahr 2018 rund 40% der vorhandenen Solarstrom-Erzeugungskapazitäten neu zugebaut wurden. Auch aufgrund weiter fallender Preise sei von einem weiteren Wachstum auszugehen.

Fotovoltaik – Wachstumstreiber im Bereich der erneuerbaren Energien

Tatsächlich sind die durchschnittlichen Erzeugungspreise sowohl im Bereich der kommerziellen Stromerzeugung, wie auch im privaten Bereich, in fast allen Ländern ohne staatliches Subventionssystem unter die jeweiligen variablen Verkaufspreise gesunken. Nach Einschätzung der IEA ist auch weiterhin von fallenden Investitionskosten auszugehen. Bis 2024 könnten diese um weitere 15 bis 35% sinken.

Die größten Erzeugungskapazitäten im Solarstrom-Bereich gibt es bislang in Europe, das größte Wachstum wird laut IEA-Bericht aber zukünftig in China stattfinden. Aufgrund starker politischer Anreize durch entsprechende Fördersysteme in Japan, Korea und Indien, sei auch dort in Zukunft mit einem überdurchschnittlichen Wachstum der Solarbranche zu rechnen, sodass der asiatisch-pazifische Raum Europa und Nord-Amerika als Wachstumsregionen überflügeln werde. Um das Wachstum auch in diesen Regionen wieder anzukurbeln, bedürfe es Änderungen an den Grünstrom-Vermarktungskonzepten, den Tarifbedingungen für die Abnehmer sowie an den politischen Rahmenbedingungen. Ziel müsse es sein, die teilweise gegenläufigen Interessen von Anlagenbetreibern, Energieversorgern und Abnehmern optimal auszubalancieren.

Potenzial für weitere Entwicklung ausschöpfen

Einen Fokus legt der Bericht auch auf die Rolle von Regierungen und die Frage, in wie weit deren Handeln das Wachstum der erneuerbaren Energien beeinflusst. Die Botschaft: Dieses Wachstum könnte um bis zu 26% höher ausfallen als derzeit prognostiziert, wenn die Regierungen Probleme, die sich aus politischen und regulatorischen Unsicherheiten und hohen Investitionsrisiken in Entwicklungsländern ergeben aktiv angehen und insgesamt zu einer besseren Systemintegration für Wind- und Solarressourcen beitragen.

Die Regierungen haben unterschiedliche Ansätze gewählt, um diesen Anforderungen zu begegnen. In vielen Ländern setzen sich beispielsweise Auktionssysteme für Power Purchase Agreements als Instrument für die Vermarktung erneuerbarer Energien gegenüber Förderprogrammen durch. Dies ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen, darunter geringere Anreize durch staatliche Einspeisevergütungen und längere Vertragslaufzeiten in Bereich der PPA-Auktionen, die den Anlagen-Eigentümern eine größere Flexibilität bei der Vermarktung der von ihnen erzeugten Energien ermöglichen.

Wie groß der Einfluss politischer Rahmenbedingungen auf die Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors sein kann, zeigt der Bericht am Beispiel Ägyptens. Bei einer Verbesserung der Transparenz des Beschaffungsprozesses, einer Vereinfachung der Genehmigungsverfahren und einer schnelleren Auktionsdurchführung könnte das Wachstum der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten dort gemäß IEA-Bericht um 96% höher ausfallen, als bereits prognostiziert.

Höhere Flexibilität der Versorgungssysteme erforderlich

Da volatile erneuerbare Energien aus Sonnen- oder Windkraft zunehmend mit fossilen Brennstoffen konkurrieren, wird die Netzintegration zu einem wachsenden Problem. Energiesysteme verfügen derzeit häufig nicht über die notwendige Flexibilität, um auf Angebots- oder Nachfrageschwankungen effektiv reagieren zu können, so die Analyse. Die Systemintegration sei am effektivsten, wenn sie in Unterstützungsprogramme eingebettet ist, die den Anlagenbetreibern einen Direktvertrieb ermöglichen. Durch die Einführung variabler Prämien auf der Grundlage von technologiebezogenen Durchschnittspreisen könnten Stromversorgungssysteme so angepasst werden, dass die Auswirkungen von Versorgungsschwankungen minimiert werden. Auch eine proaktive Standortwahl und ein vorausschauender Netzausbau könnten die Entwicklung nach Meinung der Autoren positiv beeinflussen.

Einfluss der Wirtschaft auf die zukünftige Entwicklung

Zusätzlich zu den Regierungen, die versuchen, die Versorgung mit erneuerbaren Energien für die Zukunft durch politische Rahmenbedingungen zu gestalten, wird auch die steigende Nachfrage von Unternehmensseite massiv zum Wachstum der erneuerbaren Energien beitragen.

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