Der Weltklimarat hat einen neuen Sonderbericht veröffentlicht, der die Wechselwirkungen zwischen dem Klimawandel und den Veränderungen in den Ozeanen und der Kryosphäre untersucht. Mehr als 100 Wissenschaftler haben weltweit dazu beigetragen, die Auswirkungen eines Best-Case Szenarios im Sinne des Pariser Abkommens mit einem Business-as-usual Szenario zu vergleichen. Im Ergebnis warnt der Bericht, dass die Erwärmung und Übersäuerung der Ozeane und das Schmelzen des Permafrostes nicht nur Auswirkungen, sondern gleichzeitig Beschleuniger des Klimawandels seien. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen könnten Milliarden von Menschen direkt von den Auswirkungen betroffen sein.

Die Ozeane als Regulierungssystem des Klimas

Die Ozeane fungieren als wichtiges Regulierungssystem für das weltweite Klima: Seit den 1970er-Jahren haben sie mehr als 90% der überschüssigen Wärme aus dem Klimasystem absorbiert und sich dabei stetig weiter aufgewärmt. Die Folgen seien ein sich veränderndes Ozeansystem, eine Beschleunigung der Eisschmelze und ein Anstieg des Meeresspiegels. Besonders alarmierend scheint die im Bericht getroffene Vorhersage, dass sich schwere Naturkatastrophen, die aus dem Meeresspiegelanstieg resultieren, trotz der bislang getroffenen Klimamaßnahmen bis zum Jahre 2050 zu einem häufig vorkommenden Ereignis entwickeln werden. Die Prognosen gehen demnach davon aus, dass sich derartige Ereignisse jährlich wiederholen könnten – statt wie bislang etwa einmal in zehn Jahren.

Zudem haben die Ozeane allein seit den 1980er-Jahren etwa 20-30% der anthropogenen CO2 -Emissionen in sich aufgenommen. Der Atmosphäre wurde dadurch zwar wirksam klimaschädliches CO2 entzogen. Im Gegenzug führte dies jedoch zu einer starken Übersäuerung der Ozeane und einer entsprechenden Veränderung des Lebensraums. Weltweit ist dadurch die maritime Flora und Fauna massiv bedroht. Damit steht auch die Nahrungssicherung von zahllosen Menschen weltweit auf dem Spiel, die existenziell abhängig von einem gesunden Fischbestand sind.

Kryosphäre: Auswirkungen im Landesinneren

Ein weiterer Betrachtungsschwerpunkt des Berichts sind die Hochgebirgsregionen der Erde, in denen fast 10% der Weltbevölkerung zu Hause sind. Es wird davon ausgegangen, dass sich die meisten Arten von Naturereignissen in diesen Gebieten in Bezug auf Frequenz, Größe und betroffene Gebiete verschlimmern werden, wenn die Kryosphäre weiter schrumpft. Es sei zu erwarten, dass Überschwemmungen, ausgelöst durch Gletscherseeausbrüche, Erdrutsche und Schneelawinen häufiger, an ungewöhnlichen Orten und zu ungewöhnlichen Jahreszeiten auftreten werden.

Ähnlich wie in den Polarregionen könne man in diesen Berggebieten bereits Veränderungen der Landschaften und der Süßwasser-Ökosysteme beobachten. Diese seien auf das Schmelzen, von Permafrost und das Freiwerden von zuvor mit Schnee bedeckten Landabschnitten zurückzuführen.

Der Bericht warnt davor, dass durch das Auftauen der Permafrostböden riesige Mengen Kohlenstoffdioxid freigesetzt würden und sich der Klimawandel so zusätzlich beschleunigen könnte. In Permafrostböden sei demnach ein Vielfaches der Menge an organischem Kohlenstoffdioxid eingeschlossen, die sich derzeit in unserer Atmosphäre befindet. Der großflächige Verlust der Permafrostabdeckung drohe somit, die derzeitige Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre deutlich zu erhöhen und möglicherweise zu einem „Hothouse Earth“-Effekt beizutragen.

Der Verlust von Gletschern und Inlandeis in Polar- und Gebirgsregionen trage – wie die Erwärmung der Ozeane – damit zum weiteren Anstieg der Meeresspiegel bei, so der Bericht. Demnach sei bis zum Jahr 2100 von einem Meeresspiegelanstieg um 30 bis 60 cm, beziehungsweise sogar um 60 bis 110 cm, auszugehen. Abhängig sei dies von der zukünftigen Entwicklung der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Finstere Prognosen

Fast 50 % aller küstennahen Feuchtgebiete sind in den vergangenen 100 Jahren laut IPCC-Sonderbericht aufgrund einer Kombination aus lokaler menschlicher Belastung, Meeresspiegelanstieg, Erwärmung und extremen Klimaereignissen verloren gegangen sind. Darauf aufbauend, prognostiziert der Weltklimarat, dass bis zum Jahr 2100 der Verlust der Feuchtgebiete bis zu 90% vorangeschritten sein könnte. Ob diese Prognose eintritt, hänge vor allem von den getroffenen Maßnahmen gegen den Klimawandel ab. Der Bericht warnt jedoch davor, dass sich Gesellschaften, selbst wenn die globale Erderwärmung deutlich unter 2°C gehalten werde, an die Veränderungen des Ozeans und der Kryosphäre anpassen müssten. Falls der menschliche Einfluss auf das Klima unverändert bleibe, könne dies bereits im Jahre 2050 zu einem jährlichen wirtschaftlichen Verlust in Höhe von 420 Millionen US Dollar, und bis 2100 sogar bis 1,979 Milliarden US Dollar führen.

Nach Angaben des IPCC ist zu erwarten, dass die Erwärmung der Ozeane, ihre Versauerung und der Sauerstoffentzug, der Massenverlust von Inlandeis und Gletschern sowie der Abbau von Permafrost auf kurze Sicht irreversibel sind. Angesicht der langen Reaktionszeiten, die von Jahrzehnten bis zu Jahrtausenden reichen können, ist davon auszugehen, dass Ozeane und Kryosphäre sich noch lange Zeit verändern werden, selbst dann, wenn es Gelingen sollte, die atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen zu stabilisieren.

Lösungsansätze

Eine Schlüsselaufgabe seien dem Bericht zufolge derSchutz und die Wiederherstellung von küstennahen Ökosystemen wie Mangroven, Sümpfen und Seegraswiesen. Zum einen seien diese Ökosysteme wichtige Lebensräume, zum anderen aber auch ein Schutz gegen schwerwiegende Naturkatastrophen, die durch den Meeresspiegelanstieg ausgelöst werden. Zusätzlichen seien sie in der Lage, ungefähr 0,5% der jährlichen Treibhausgasemissionen zu absorbieren.

Der Bericht hebt auch hervor, dass den Veränderungen in den Ozeanen und der Kryosphäre nur durch grenzüberschreitende Kooperation begegnet werden könne.

Weitere News: