Weltwirtschaftsforum legt den Global Risks Report 2019 vor

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Veranstalter den Global Risks Report 2019 vorgelegt. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter rund 1.000 Experten und Entscheidungsträgern in der ganzen Welt. Für den Bericht wurden sie nach ihrer Wahrnehmung und Einschätzung verschiedener globaler Risiken aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Soziales und Technologie befragt. Bereits im dritten Jahr in Folge wurden von den Befragten dabei umweltbezogene Risiken wie „Extremwetterereignisse“ und „Scheitern von Klimawandel-Begrenzung und -Anpassung“ am häufigsten genannt.

Im Rahmen des Global Risks Reports wurden die Befragten gebeten, die von ihnen wahrgenommenen Risiken zu bewerten. Dabei ging es zum einen um die vermutete Wahrscheinlichkeit des Eintretens, zum anderen um die Einschätzung der Schwere der möglichen Risikofolgen. Umweltrisiken wurden in beiden Kategorien am häufigsten genannt und tauchten in den beiden Rankings jeweils dreimal unter den Top 5-Risiken auf. Zum dritten Mal in Folge sahen die Befragten „Extremwetterereignisse“ als das Risiko mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit an. Auch ein mögliches Versagen der internationalen Bemühungen um den Klimaschutz bereitete den Studienteilnehmern wieder zunehmend Sorge. Das „Scheitern von Klimawandel-Begrenzung und -Anpassung“ wurde in beiden Kategorien jeweils am zweithäufigsten genannt. Die Autoren der Studien sehen darin einen Hinweis darauf, dass „die Folgen des Stillstands bei den internationalen Klimaschutzbemühungen immer deutlicher zu Tage treten.“ In einer Welt ungleicher Kräfteverhältnisse und unterschiedlicher Wertvorstellungen sei es vermutlich schwieriger, Fortschritte bei gemeinsamen globalen Zielen zu erzielen, analysieren die Autoren und liefern damit eine mögliche Erklärung für die Skepsis der Befragten gegenüber dem Erfolg der internationalen Klimaschutzpolitik.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse der Wahrnehmungsstudie des Global Risks Reports, dass die Befragten einen klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen den Risiken „Scheitern von Klimawandel-Begrenzung und -Anpassung“ und „Extremwetterereignisse“ sehen. Menschliches Verhalten und Klimawandel sind für sie kausal miteinander verbunden.

Die Antworten der Befragten stehen zum Teil sicherlich unter dem Eindruck einer ganzen Reihe von extremen Wetterereignissen, die im vergangenen Jahr aufgetreten sind. So war 2018 ein Jahr mit Rekord-Waldbränden und großen Stürmen in den USA, mit Überschwemmungskatastrophen in Süd-Asien und Japan und mit ausgeprägten Dürreperioden in weiten Teilen Europas. Die Befragungsergebnisse des Global Risks Report 2019 spiegeln auch die Erkenntnisse anderer Reports und Studien des vergangenen Jahres wieder, die die Auswirkungen einer steigenden Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre untersuchten und teils erschreckende Ergebnisse lieferten. Dazu gehören beispielsweise der IPCC Special Report, die „Hothouse Earth“-Studie oder der State of the Climate Report der US-Klimabehörde NOAA.

Zu den weiteren Risiken, die von den Befragten identifiziert wurden, gehören unter anderem Katastrophen, Verlust der biologischen Vielfalt, Wasserkrisen, Ernährungsunsicherheit und Migration.

Risikowahrnehmung und der Weg zur klimaeffizienten Wirtschaft

Wie der Bericht zusammenfassend feststellt, gibt es unter den Befragten im Vergleich zu früheren Studien heute ein größeres Bewusstsein für die Risiken, die der Klimawandel mit sich bringt. Außerdem konstatieren die Autoren einen stärkeren Konsens darüber, dass jetzt entschiedenes kollektives Handeln und effektive politische Entscheidungen erforderlich sind.

In wirtschaftlicher Hinsicht gehen die Autoren der Studie davon aus, dass es unter dem Eindruck des Klimawandels zu vermehrten Investitionen in grüne Infrastrukturlösungen kommen werde. Dabei geht es um Lösungen auf Basis natürlicher Dämm- und Bau-Materialien, die dazu beitragen können, Energieverbräuche zu senken, die Temperaturen in Innenstädten zu reduzieren oder das Wassermanagement zu verbessern. Die rasche Einführung nachhaltiger Infrastrukturlösungen wird erwartbar auch zu fortlaufenden Finanzinnovationen führen, da immer mehr Investoren in diesen Markt gelangen. Die Zahl der Fonds, die allgemein in Infrastrukturanlagen investieren, hat bereits erheblich zugenommen. Die Renditen sanken von 14% im Jahr 2004 auf 10,6% im Jahr 2016. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen in grünen Fonds angelegte Kapital von 11 Mrd. US-Dollar im Jahr 2013 auf 155 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 gestiegen.

Der vollständige Global Risks Report 2019 steht auf der Internetseite des Weltwirtschaftsforums als Leseversion und zum Download bereit: https://www.weforum.org/reports/the-global-risks-report-2019

HINTERGRUND
Das diesjährige Weltwirtschaftsforum fand vom 22. bis 25. Januar in Davos statt und brachte mehr als 3.000 Führungskräfte aus Wirtschaft, Regierung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien aus der ganzen Welt zusammen. Das Thema des Forums lautete „Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution (4IR)“.