Europa ist auch weiterhin der mit Abstand größte Markt für grüne Energie weltweit. Laut der jetzt veröffentlichten Jahresstatistik der Association of Issuing Bodies (AIB) ist der GoO-Markt 2017 weiter gewachsen. Insgesamt wurden 2017 im Rahmen des europäischen Handelssystems EECS Grünstrom-Herkunftsnachweise (GoOs) im Umfang von rund 470 Terawattstunden stillgelegt. Die Zahlen zeigen eine beeindruckende Entwicklung: Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Nachfrage nach Grünstrom-Herkunftsnachweisen auf dem europäischen Markt verdoppelt. Allein von 2016 auf 2017 stieg die Zahl der Stilllegungen um fast 30% an.

Auf den vollen Jahreszeitraum betrachtet, ergibt sich hinsichtlich der Stilllegungen ein uneinheitliches Bild. Im Vergleich zum ersten Halbjahr war die Zahl der Stilllegungen in der zweiten Jahreshälfte etwas rückläufig. Sie lag sogar leicht unterhalb der Zahlen des Vergleichszeitraums in 2016. Durch das sehr starke erste Halbjahr wurde diese Entwicklung jedoch mehr als wettgemacht, sodass in der Summe das deutliche Plus von rund 30% im Vergleich zum Vorjahr steht.

Ein Teil des deutlichen Nachfrageanstiegs auf dem GoO-Markt 2017 ist unzweifelhaft auf den Beitritt Spaniens zum European Energy Certificate System im ersten Halbjahr 2016 zurückzuführen. Das Land ist ein wichtiger Erzeuger und gleichzeitig auch ein bedeutender Abnehmer von GoOs und hat das Marktgeschehen dadurch auf mehreren Ebenen nachhaltig beeinflusst. Allerdings gibt es auch davon unabhängig ein deutliches Nachfrageplus, denn selbst wenn man den spanischen Anteil komplett ausklammert, ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg bei den Stilllegungen von rund 8%.

Die steigende Nachfrage nach Herkunftsnachweisen für Grünstrom erklärt sich unter anderem durch das stetig zunehmende Interesse der Privatwirtschaft. Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, Grünstrom zur Reduzierung ihres Scope 2-Fußabdrucks zu nutzen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. So ist beispielsweise die Mitgliederzahl von RE100, einem Zusammenschluss führender Unternehmen, die sich dem gemeinsamen Ziel „100% erneuerbare Energie“ verpflichtet haben, von 15 im Jahr 2015 auf heute 122 gestiegen. Wie die Initiative in ihrem Jahresbericht 2017 feststellt, beträgt der Gesamtstromverbrauch der Mitgliedsunternehmen aktuell über 159 Terawattstunden pro Jahr. Wie RE100 weiter mitteilt, beziehen die Unternehmen derzeit bereits durchschnittlich 32% ihres individuellen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen.

 

 

Fokus Erzeugungstechnologien: Anteil der Solarenergie fast verfünffacht

Wie die AIB-Statistiken zeigen, waren Deutschland, Spanien und die Schweiz 2017 die Märkte mit der höchsten Nachfrage nach GoOs. Zusammengenommen wurden in diesen drei Ländern fast 50% aller GoOs im Bereich des EECS stillgelegt.

Hinsichtlich der zur Produktion der Herkunftsnachweise genutzten Technologien ist die Wasserkraft – und hier insbesondere die norwegische Wasserkraft – immer noch mit großem Abstand die wichtigste Erzeugungstechnologie. Insgesamt wurden 2017 Wasserkraft-Herkunftsnachweise im Umfang von rund 326 Terawattstunden stillgelegt. Dies bedeutet eine Steigerung von 11% gegenüber dem Vorjahr und entspricht einem Anteil von rund 69% aller GoO-Stilllegungen im vergangenen Jahr.

 

Auch die anderen Erzeugungstechnologien haben, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau,  zum Teil deutlich zulegen können. Die Stilllegungen von Herkunftsnachweisen aus Biomassenutzung beispielsweise sind um 30% gestiegen. Noch deutlicher fiel die Entwicklung in den Bereichen Windkraft und Solarenergie aus: Die Zahl der Stilllegungen von Herkunftsnachweisen von in Windenergieanlagen erzeugten Herkunftsnacheisen hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt; der Bereich Solarstrom ist sogar um das Viereinhalbfache gewachsen, nachdem er sich zwischen 2015 und 2016 bereits verdreifacht hatte.

Dem generellen Anstieg auf der Nachfrageseite steht auf dem GoO-Markt 2017 eine umgekehrte Entwicklung bei der Produktion gegenüber. So ist die Zahl der ausgegebenen GoOs innerhalb des EECS im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um rund 20% zurückgegangen. Es wird interessant sein zu beobachten, ob und wie dies die Marktentwicklung im Jahr 2018 beeinflussen wird.