Die Bedeutung grüner Konjunkturprogramme für den Klimaschutz

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat die neueste Fassung seines jährlichen Emissions Gap Reports vorgelegt. Trotz Corona-bedingt leicht gesunkener CO2-Emissionen in diesem Jahr sehen die Autoren langfristig nur minimale Auswirkungen auf den Verlauf der Klimaerwärmung. Eine Chance auf eine nachhaltige Trendwende und den Übergang zu einer CO2-effizienteren Wirtschaft könnte sich durch die Einführung grüner Konjunkturpakete im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung ergeben.

Der Emissions Gap Report bewertet Jahr für Jahr die Diskrepanz zwischen den erwartbaren weltweiten CO2-Emissionen und dem Zielwert, der erreicht werden müsste, um die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können. Die beiden Vergleichsszenarien werden im Bericht als „wo wir wahrscheinlich sein werden“ und „wo wir sein müssten“ beschrieben.

Der aktuelle Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die im Jahr 2020 ausgestoßenen Kohlenstoffemissionen um rund 7% niedriger liegen als im Jahr 2019. Dies sei jedoch nicht als Nachweis dafür zu sehen, dass die Welt beim Klimaschutz auf dem richtigen Zielpfad sei. Vielmehr unterstreichen die Autoren, dass die aktuellen Klimaschutzpläne der Länder bei weitem nicht ausreichen, um die Klimaerwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Unter den aktuellen Bedingungen befinde sich die Welt auf dem Weg zu mehr als drei Grad Temperaturerhöhung, so die Autoren.

Ein erheblicher Teil des Corona-bedingten Absinkens des Emissionsniveaus in diesem Jahr resultiert aus dem Rückgang des weltweiten Verkehrsaufkommens im Corona-Jahr 2020. Gleichwohl seien die atmosphärischen Treibhausgas-Konzentrationen insgesamt im Vergleich zu 2019 weiter angestiegen und die langfristigen Auswirkungen des Rückgangs der Emissionsrückgangs allenfalls marginal.

Die Bedeutung grüner Konjunkturpakete

Obwohl die Pandemie also direkt nur minimale Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Klimakrise hat, so könne sie indirekt doch einen Ansatzpunkt für dringend benötigte Klimaschutzmaßnahmen bieten. So plädieren die Autoren des Berichts dafür, im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung in der Post-Corona Zeit strukturelle Änderungen in Form grüner Konjunkturpakete einzuführen, die eine langfristige Dekarbonisierung fördern könnten. Darin sei eine Chance zu sehen, um die Emissionslücke schließen zu können. Die Länder müssten deshalb schnellstmöglich entsprechende Strategien und Programme umsetzen und Anreize für mehr CO2-Effizienz setzen.

Um beurteilen zu können, welche Lenkungswirkung sich durch entsprechende staatliche Programme ergibt, unterscheidet der Report verschiedene Szenarien für mögliches Handeln der Länder.

  • Für den Fall, dass die Länder während der Phase wirtschaftlicher Erholung ihre jeweils aktuelle Klimapolitik weiter fortsetzen, könnten die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um bis zu 4 Gigatonnen sinken.
  • Sollten die Länder ihre Klimaschutzziele hingegen aufweichen, rechnet der Bericht nur mit einer Senkung der Treibhausgasemissionen um 1,5 Gigatonnen bis 2030. Allerdings könnten die Emissionen im gleichen Zeitraum sogar um bis zu eine Gigatonne ansteigen, wenn im Rahmen des erwarteten konjunkturellen Aufschwungs wieder verstärkt fossile Brennstoffe genutzt werden sollten.
  • Demgegenüber sieht der Bericht ein Einsparpotenzial von bis zu 15 Gigatonnen, wenn die Länder im Rahmen des Wirtschaftsaufschwungs eine Strategie der konsequenten Dekarbonisierung verfolgen. Dies würde einer Verminderung des Emissionsvolumens in einer Größenordnung von 25% gegenüber den Vor-COVID-Szenarien entsprechen.

Internationale Bekenntnisse zum Netto-Null-Ziel

Eine der ermutigenden Entwicklungen, die der Emissions Gap Report 2020 hervorhebt, ist das breite Bekenntnis zur Verfolgung von Netto-Null-Emissionszielen auf internationaler Ebene. Bis zur Fertigstellung des Berichts hatten insgesamt 126 Länder weltweit ein offizielles Netto-Null-Ziel im Zeitraum bis zur Mitte des Jahrhunderts festgelegt. In der Gesamtheit repräsentieren diese Länder rund 55% der weltweiten Treibhausgasemissionen. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass es aktuell noch eine deutliche Diskrepanz zwischen den veröffentlichten langfristigen Netto-Null-Zielen der Länder und den Klimaschutzzusagen im Rahmen der Nationally Determined Contributions (NDC) gibt, die das Klimaschutzengagement der Länder bis 2030 determinieren. Um den Net-Zero-Ansatz nachhaltig zu stärken, sehen die Autoren zwei Bedingungen, die erfüllt werden müssen:

  1. Mehr Länder müssen langfristige Strategien entwickeln, die mit den Zielen des Pariser Übereinkommens vereinbar sind
  2. Neue und aktualisierte NDCs müssen eingereicht werden, um die Übereinstimmung mit den Netto-Null-Zielen zu gewährleisten

 

Wo liegen die Potenziale?

In jedem Jahr untersucht der Emissions Gap Report auch einzelne Sektoren und Bereiche bezüglich ihres spezifischen Klimaschutzpotenzials. Im aktuellen Report stehen so die Bereiche „Verbraucherverhalten“ und „Schifffahrt“ im Fokus. Durch die steigende Nachfrage nach entsprechenden Services und Dienstleistungen sind die Treibhausgasemissionen, die sich diesen Bereichen zuordnen lassen, in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Zusammen verursachten die beiden Sektoren im vergangenen Jahr rund 2 Gigatonnen an Treibhausgasemissionen.

Verbesserungen bei den eingesetzten Technologien und der Betriebsabläufe könnten in beiden Bereichen zu verbesserter CO2– und Kraftstoffeffizienz führen. Mittelfristig müsse aber eine Abkehr von fossilen Brennstoffen erreicht werden, wenn es gelingen soll, Treibhausgasemissionen nachhaltig zu senken.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein kohlenstoffarmer Lebensstil nur mit Unterstützung von Veränderungen in sozioökonomischen Systemen und bei den kulturellen Konventionen erreicht werden kann. Dafür müssten Akteure aller Ebenen Hand in Hand arbeiten und Individuen, der Privatsektor und Regierungen an einem Strang ziehen.

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