Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Rat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO jetzt wichtige Rahmenbedingungen für die Zulassung von Emissionsminderungsprojekten für das CORSIA-Programm beschlossen. Mit diesem Programm soll künftig ein klimaneutrales Wachstum der Luftfahrtbranche durch Kompensation von Treibhausgasemissionen ermöglicht werden. Die Verabschiedung des Kriterienkatalogs ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Umsetzung des CORSIA-Programms und ermöglicht es Airlines, sich bereits jetzt auf die Rahmenbedingungen einzustellen.

Mit seiner Entscheidung folgte der ICAO-Rat den Empfehlungen eines von ihm beauftragten Expertengremiums, das bereits im Januar Kriterien für die Zulassungsbedingungen von Emissionsminderungsprojekten für das CORSIA-Programm vorgelegt hatte. Gemäß der Entscheidung des Rates müssen Emissionsminderungsnachweise aus einem Klimaschutzprojekt stammen, das nach einem der sechs folgenden Standards zertifiziert wurde:

  • American Carbon Registry
  • China GHG Voluntary Emission Reduction Program
  • Clean Development Mechanism
  • Climate Action Reserve
  • The Gold Standard
  • Verified Carbon Standard (Verra)

Zulassungsbedingungen für Emissionsminderungen definiert

Weitere Projektstandards sind für das CORSIA-Programm derzeit nicht zugelassen, können sich aber in einer weiteren Verfahrensrunde noch um eine Nachprüfung bewerben, die ggf. zu einer nachträglichen Zulassung führen könnte.

Klärungsbedarf besteht außerdem noch hinsichtlich einiger Projekttypen, wie etwa sogenannten „Nested REDD+“-Projekten, die gemäß VCS zertifiziert wurden. Da es im Hinblick auf diesen Projekttypus und einigen anderen Fällen noch offene Detailfragen – beispielsweise im Zusammenhang mit der Erfüllung des Permananzkriteriums, also der langfristig zu gewährleistenden Schutz der Wälder, – gibt, wurde die betreffenden Projekttypen bislang nur unter Vorbehalt zugelassen. ICAO und die VERRA arbeiten derzeit aber gemeinsam daran, bestehende Unklarheiten auszuräumen und eine dauerhafte Entscheidung herbeizuführen

Als weiteres wichtiges Qualifizierungskriterium hat der ICAO-Rat das Ausgabejahr der Emissionsminderungsnachweise bestimmt. In der Pilotphase des CORSIA-Programms, die im kommenden Jahr startet und dann bis 2023 läuft, dürfen demnach nur solche Emissionsminderungszertifikate genutzt werden, die zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2020 ausgestellt wurden.

Wegweisende Entscheidung in schwieriger Lage

„Die Entscheidung ist das Ergebnis eines profunden Bewertungsprozesses der Standards und Klimaschutz-Programme anhand einer Reihe von Kriterien beurteilt, die von den ICAO-Mitgliedstaaten vereinbart wurden“, sagte Salvatore Sciacchitano, Präsident des ICAO-Rates. „Sie stellt sicher, dass CORSIA gleichermaßen praktikabel wie wirksam sein wird und sie stellt damit einen wichtigen Meilenstein im Hinblick auf den Schutz unserer Umwelt dar.“

Auch First Climate CEO Dr. Jochen Gassner sieht in der jetzt getroffenen Entscheidung einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Umsetzung des CORSIA-Programms:

„Für die Airlines ist es von großer Bedeutung, dass jetzt die zentralen Rahmenbedingungen dazu feststehen, welche Projekte für die Kompensation von Treibhausgasemissionen im Rahmen des CORSIA-Programms genutzt werden können. Sie erhalten damit die Planungssicherheit, die sie brauchen, um die Vorgaben des Programms effizient umzusetzen.“

Es sei bemerkenswert, so Gassner, dass der ICAO-Rat diese wichtige Entscheidung trotz der aktuell schwierigen Umstände getroffene habe.

„Dass diese Entscheidung mitten in der weltweiten Corona-Krise getroffen wurde, die die Luftfahrtindustrie so hart trifft, wie kaum eine andere Branche, ist ein Zeichen für das ernsthafte Engagement der Airlines und die hohe Priorität, die dem Thema Klimaschutz innerhalb der Branche beigemessen wird.“

Über CORSIA

Die internationale Luftfahrtbranche hat sich in den vergangenen Jahren ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt. So hat die IATA, der führende Branchenverband, im Jahr 2009 einen dreistufigen Zielplan für den Luftverkehrsbereich bekanntgegeben, der eine durchschnittliche jährliche Verbesserung der Kraftstoffeffizienz um 1,5% von 2009 bis 2020, ein klimaneutrales Wachstum der Branche ab 2020, und eine 50%ige absolute Reduzierung der Kohlenstoffemissionen bis 2050 vorsieht. Um die Umsetzung dieser Ziele zu unterstützen, hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO im Oktober 2016 einen marktbasierten Mechanismus vorgestellt, der dazu beitragen soll, ein klimaneutrales Wachstum in der Luftfahrtbranche zu gewährleisten. Das Programm trägt den Namen Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA).

First Climate arbeitet seit über einem Jahrzehnt mit führenden Fluggesellschaften an der Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks und berät sie in allen Fragen im Zusammenhang mit der Umsetzung des CORSIA-Programms.