Deutsche Unternehmen treten bisher allerdings zurückhaltend auf. In Peking werden sie künftig durch zwei Anlaufstellen der CDM-Initiative des Bundesumweltministeriums unterstützt: Das CDM-Netzwerk im Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft Beijing sowie die CDM Service Unit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
Das CDM-Netzwerk versteht sich als Plattform: Als Kontaktplattform für deutsche Unternehmen, relevante inländische Institutionen und Akteure sowie als Informationsplattform mit Nachrichten über Markt-, Rechts- und Projektentwicklungen. Erreicht werden soll dies zum einen durch einen aktuellen Internetauftritt. Unter china.ahk.de/en/cdm/ können Informationen, Kontaktadressen und Links eingesehen werden. Zum anderen sind regelmäßige Netzwerktreffen sowie Seminare für spezifische Sektoren und Regionen geplant. Das CDM-Netzwerk bietet deutschen Unternehmen sowohl bei der Projektidentifizierung als auch -umsetzung Unterstützung an.
Die CDM Service Unit ist Teil eines globalen Projektes mit Büros in Indien, Brasilien sowie im Mittleren Osten und Nordafrika (MENA). Die Servicestelle unterstützt interessierte deutsche CDM-Teilnehmer beim Markteintritt sowie bei der Partner- und Projektsuche. Dabei greift sie auf ein umfangreiches Netzwerk deutscher und chinesischer Experten zurück und setzt auf die Zusammenarbeit mit den mehr als 27 CDM Service- und Kompetenzzentren in fast allen Provinzen.
Darüber hinaus plant die CDM Service Unit detaillierte Studien über als aussichtsreich identifizierte Bereiche. Die englischsprachige CDM Country Study China liegt bereits vor. Weitere Studien über den Stand angewendeter Methoden und bisheriger Projekte sowie den Technologieeinsatz sind in den Sparten Biotreibstoff und Biomasse sowie Abfall- und Wasserbehandlung geplant.
Deutsche Projektentwickler und Aggregatoren sind in China bereits erfolgreich tätig. Häufig kämpfen sie gegen den geringen Kenntnisstand in CDM-relevanten Branchen wie dem Kohlebergbau, in Stahl- und Zementwerken, aber auch bei Deponiebetreibern. Deren Investitionsbereitschaft in CDM-Projekte ist äußerst gering - selbst dann, wenn das Projekt nachweisbar innerhalb weniger Jahre Kostendeckung erreichen kann. In der Regel wird erwartet, dass Anfangsinvestitionen von Dritten getätigt werden.
In fast 70 der bis Anfang Oktober genehmigten knapp 1.600 Projekte treten deutsche Unternehmen und Institutionen als Käufer auf - allen voran der Stromerzeuger RWE, mit deutlichem Abstand gefolgt vom KfW Carbon Fund. Daneben sind bislang die STEAG, First Climate (3C), die Emissionshandelsgesell-schaft Bayern, die Deutsche Bank, Ecolutions sowie Climate Change Investment I SA SICAR tätig gewesen.
Nach KfW-Einschätzung kauft Deutschland bislang etwa 3% der jährlich verfügbaren CERs in China und liegt damit auf Rang 8. Der KfW Carbon Fund hat 16 ERPAs und sieben Letters of Intent mit chinesischen Partnern unterschrieben. Mit einem weiteren Anstieg wird gerechnet. Im Bereich Validierung und Verifizierung sind inzwischen als Designated Operating Entity (DOE) sowohl der TÜV Süd, der TÜV Rheinland als auch der TÜV Nord in der VR China tätig. Nach Einschätzung der CDM Service Unit der GTZ betreuen Det Norske Veritas (DNV) und TÜV Süd als DOEs etwa 75% der Projekte in China.
Der Liste des Office of National Coordination Committee on Climate Change zufolge sind 15 DOEs in der Volksrepublik tätig, was bei Weitem nicht ausreicht. Mittlerweile ist ein Engpass entstanden, so dass es zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann.
Die zwei neuen Anlaufstellen im Rahmen des Klimaschutz-Engagements des BMU kommen für deutsche Unternehmen zur rechten Zeit. Trotz seines großen Potenzials ist der chinesische CDM-Markt nicht einfach. Dies gilt insbesondere für Technologielieferanten, aber auch für Projektentwickler. Die Website des Deutschen Delegiertenbüros informiert über künftige Aktivitäten. (gtai)
KONTAKT:
CDM-Netzwerk
Delegiertenbüro der Deutschen
Wirtschaft Beijing
Tel: +86/10/65 90 09 26
E-Mail: wu.xian@bj.china.ahk.de
Internet: china.ahk.de/cdm/
CDM Service Unit China (GTZ)
Tel: +86/10/85 27 61 19
E-Mail: markus.schwegler@gtz.de
Internet: www.gtz.de/china
Source: Dow Jones Trade News Emissions, January 9th, 2009, p. 14

