Luxemburg ist weltweit das zweitgrößte Fondszentrum. Allerdings sind es vor allem Verwaltungs-
dienstleistungen rund um Investmentfonds und weniger Managementaktivitäten, die von hier aus
angeboten werden. Umso erfreulicher ist es, dass ein neuer Anbieter den Weg ins Großherzogtum gefunden hat. First Climate hat eine Asset-Management-Tochter gegründet. Gelder aus Deutschland und der Schweiz – zusammen über 200 Millionen Euro – sollen nach Luxemburg transferiert werden.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland zählt sich selbst zu den führenden Anbietern im europäischen Emissionshandel. „Wir haben Luxemburg gewählt, weil es hier das beste Umfeld für
Carbon-Asset-Management-Geschäfte in Kontinentaleuropa gibt“, betonte Markus Hüwener,
Vorstandsvorsitzender der First Climate Group. Hintergrund: Im Klimaschutzabkommen von Kioto
haben sich die Staaten verpflichtet, die CO2-Emissionen zu senken. In der EU wird versucht, mit Hilfe des CO2-Handels die Emissionen kostenwirksam zu reduzieren. Zurzeit erhalten rund 12 000 Fabriken und Kraftwerke in der EU eine individuell zu bemessene Menge an CO2-Zertifikaten, die pro Zertifikat zum Ausstoß von je einer Tonne Kohlendioxid berechtigt. Schafft es ein Unternehmen, unter der bisherigen CO2-Menge zu bleiben, kann es die überzähligen Zertifikate verkaufen. Das ist für viele Unternehmen ein gutes Geschäft, da die ausgeteilten Zertifikate kostenlos sind, die überzähligen an der Energiebörse aber gutes Geld bringen. Es lohnt sich also, den CO2-Ausstoß zu verringern. Zudem können durch Investitionen in CO2-reduzierende Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern zusätzliche Emissionsrechte erworben werden.
Hierauf liegt das Hauptaugenmerk von First Climate. Das Unternehmen investiert in die Frühphase von Klimaschutzprojekten, die Emissionszertifikate erzeugen. Zum Zeitpunkt der Registrierung der Emissionsrechte liege der Preis deutlich unter dem späteren Verkaufspreis des CO2-Zertifikats, erklärte Hüwener.
Außerdem will sich die Firma gerade auch in Luxemburg als Berater von Kauf- und Handelsstrategien sowie im Bereich von Carbon-Administration-Services etablieren.
Nicht korrelierende Anlageklasse
Laut First Climate umfasste das Marktvolumen der Emissionszertifikate 2007 weltweit 60 Milliarden Dollar – Tendenz schnell steigend. Zunehmend würde das Interesse der Investoren an dieser neuen und nicht korrelierenden Anlageklasse wachsen, sagte Hüwener. Seit August ist die First Climate Asset Management aktiv und erhielt bereits zwei Beratungsmandate für die Risikokapitalfonds Climate Change Investment I und II. Als Berater für die Fondsgesellschaft DWS können auch private Kleinanleger Zugang zu dieser Anlageklasse erhalten.
Die zwei Geschäftsführer der luxemburgischen Tochtergesellschaft, Martin Schulte und Ralph
Brödel, kommen beide von der Hypo Pfandbrief Bank International.
First Climate entstand Anfang 2008 aus der Fusion der deutschen „Carbon Credit Company“ und der bereits 1999 in Zürich gegründeten „Factor Consulting+Management AG“. First Climate verwaltet derzeit ein Vermögen von 250 Millionen Euro, machte 2007 einen Umsatz von 12 Millionen Euro und beschäftigt an verschiedenen Standorten rund um die Welt etwa 100 Mitarbeiter.
Source: Luxemburger Wort, October 25, 2008, p. 109

