Seitdem nun fest steht, wie sich die EU-Regierungschefs das Klimaschutzziel bis 2020 vorstellen, kann die Unternehmerseite ihre Nachfrage nach Emissionsrechten besser steuern. Längerfristiges Vertrauen und Planungssicherheit der Handelsteilnehmer wird dem EU-Emissionshandel ebenso gut tun wie dem Handel mit Zertifikaten aus Kioto-Projekten. „Wir haben errechnet, dass im CO2-Markt bis 2020 rund 15 Mrd. US-Dollar jährlich generiert werden können, wenn die EU die 20-%-Kürzung umsetzt und dabei zur Hälfte flexible Mechanismen nutzt“, sagt Yvo de Boer, Vorsitzender des UNO-Klimaschutz-Sekretariats. Marcel Hanakam, Emissionshandelsexperte beim CO2-Dienstleister 3C, bestätigte auf Anfrage von powernews.org, dass die flexiblen Kioto-Mechanismen der „Volumentreiber Nummer Eins“ sein werden.
Steffen Sacharowitz vom Berliner Analysten Energy Brainpool hält die Wirkung des EU-Klimaentscheids indes für nicht sehr groß: „Unternehmen werden sich in ihren Investitionsentscheidungen bestätigt sehen, die sie wahrscheinlich und hoffentlich schon vorher getätigt haben“. Dass die EU sich handfest für den Klimaschutz engagieren würde, sei für die Unternehmen absehbar gewesen, zumal auch die USA endlich anfange, sich dem Kampf gegen den Klimawandel anzuschließen. Maßgeblich für die Entwicklung der CO2-Märkte sei nicht das hoch gehaltene Minderungsziel, sondern dessen Umsetzung. „Konkret kommt es darauf an, wie die Zeit nach 2012 ausgestaltet wird,“ erklärte Sacharowitz. Hier sei noch „viel politische Unsicherheit drin“.
Kein Einfluss auf CO2-Preis
Auf den Preis für Emissionsberechtigungen (EUA) wird der Freitagsbeschluss der EU nach Ansicht Hanakams eine „mildernde Wirkung“ haben, insofern durch verstärkte Investitionen in CO2-arme Erzeugungswege mehr erneuerbare Energien zur Verfügung stehen werden. Da deren Gewinnung noch immer vergleichsweise teuer sei, könnte ein Fokus auf Erneuerbare aber womöglich den Strompreis nach oben treiben.
(Esslingen, March 13, 2007)

