• EN
  • DE
  • ES
  • 中文
  • PL
Sie sind hier:  http://www.firstclimate.com » Presse & Events

Press Clipping

First Climate in Financial Times Deutschland Online: Hot Air statt Klimaschutz

In der Wirtschaftskrise wächst für den Emissionshandel eine neue Bedrohung heran: Industriestaaten decken sich in Osteuropa billig mit Zertifikaten ein. Experten sprechen von Hot-Air-Klimaschutz. Von Tobias Bayer (Frankfurt)
Hamburg, 28. März 2009


Im Zuge des weltwirtschaftlichen Abschwungs suchen Regierungen in aller Welt nach kostengünstigen Möglichkeiten, um ihre Klimaschutzverpflichtungen unter dem Kioto-Protokoll zu erfüllen. Nach Ansicht von Experten besteht jetzt die Gefahr, dass der ökologische Nutzen in vielen Fällen äußerst gering ist - und das Vertrauen in den internationalen Handel mit Emissionsrechten erschüttert wird.

Grund zur Sorge ist das stark angestiegene Kaufvolumen von "Assigned Amount Units" (AAUs). Dabei handelt es sich um Emissionsrechte, die gemäß dem Kioto-Protokoll ausschließlich Staaten zustehen. Osteuropäische Länder haben einen großen Überschuss an den Papieren. Weil der Vorteil für die Umwelt gering ist, werden sie despektierlich auch Hot-Air-Zertifikate genannt. Mit anderen Worten: Es gibt das Risiko, dass Staaten durch den AAU-Kauf ihre Klimaschutzauflagen erfüllen, ohne dass ein ökologischer Effekt garantiert ist. Ausgelöst wurde die Diskussion durch Länder wie Japan und Österreich, die derzeit in großem Stil AAUs in Osteuropa ankaufen.

"Wenn es keine ausreichenden Kontrollen gibt, könnte das die Integrität und die Glaubwürdigkeit des Emissionshandels gefährden", warnte die International Emissions Trading Association (IETA) diese Woche. Die IETA ist die Branchvereinigung der Emissionshändler. Ihr gehören Banken wie Barclays Capital, Anwaltskanzleien wie Baker & McKenzie aber auch Industrieunternehmen wie General Electric an.

Keine Kontrollen bei AAUs

Dem Zertifikatehandel ist die aktuelle Debatte nicht förderlich. Schon seit längerem wird gezweifelt, ob das komplizierte System den Aufwand lohnt: Bis jetzt fehlen klare Hinweise, dass die Treibhausgasemissionen wirklich sinken. Aktuell liegt der Preis für europäische Zertifikate bei 11 Euro je Tonne CO2 - nach Ansicht von Experten zu wenig, um Vermeidungsanreize zu bieten. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama wird mit Spannung erwartet, wie sich die USA positionieren werden. Ökonomen diskutieren als Alternative zu einem Emissionshandel auch eine CO2-Steuer - ein alter Streit, der jetzt wieder aufflammt.

Das Kioto-Protokoll schreibt den Ländern Obergrenzen für den Ausstoß von Treibhausgasen zu. Jeder teilnehmende Staat erhält Emissionsrechte, die er selbst behält beziehungsweise an die heimischen Unternehmen verteilt. Hat er mehr als er benötigt, kann er sie verkaufen. Die Europäische Union setzte das Konzept die Idee in Form des Europäischen Emissionshandelsystems EU ETS um. Das Kioto-Protokoll läuft 2012 aus, ein Folgeabkommen soll Ende 2009 in Kopenhagen ausgehandelt werden.

Unterschieden werden verschiedene Arten von Verschmutzungsrechten: CDM/JI-Kredite werden durch Klimaprojekte-Projekte in Schwellenländern erworben, sie stehen auch Unternehmen offen. Reguliert werden sie durch das Uno-Klimasekretariat UNFCCC. Zwar gibt es auch hier Kritik, die Qualität der Projekte gilt aber insgesamt als solide.

AAUs dagegen unterliegen nicht denselben Vorschriften, weshalb insbesondere Umweltschützer ihren Nutzen anzweifeln. Experten arbeiten seit Jahren an Kontrollmechanismen. Ein Vorschlag ist, die AAU-Verkäufer zu verpflichten, die Erlöse für Klimaschutzprojekte einsetzen. Dazu unterbreitete die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Mitte März ein Diskussionspapier. Bezeichnet wird das als "Green Investment Scheme".

Nicht nur Umweltschützer, sondern auch Marktteilnehmer sind alarmiert. "Eigentlich gilt ein Gentleman's Agreement, dass die Staaten, die von ihrem Kioto-Ziel noch weit entfernt sind, auf Hot-Air-AAUs verzichten. In Krisenzeiten besteht jedoch die Gefahr, dass Länder nach kostengünstigen Möglichkeiten suchen, um ihre Emissionsverpflichtungen zu erfüllen und deshalb auf Hot-Air-AAUs umschwenken. Wenn die ersten damit anfangen, könnte es passieren, dass weitere folgen", sagt Sascha Lafeld, Vorstand von First Climate, einer auf den Emissionshandel spezialisierten Unternehmensgruppe aus Bad Vilbel.

Gerade Japan ist dafür ein Beispiel. Das Land befindet sich in der Rezession. Jüngste Verbraucherpreisdaten deuten daraufhin, dass ein Rückfall in die Deflation wie in den 90er-Jahren drohen könnte. Die Exporte sind im freien Fall, die Konsumenten verunsichert: Die am Freitag veröffentlichten Einzelhandelszahlen für Februar fielen mit einem Minus von 5,8 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode deutlich schlechter aus als erwartet. Klimaschutz ist vor diesem Hintergrund ein Luxus - und wird entsprechend kostengünstig gestaltet.

Experten prognostizieren ein starkes Wachstum des AAU-Handelvolumens. Die Beratungsgesellschaft Point Carbon geht davon aus, dass der Markt dieses Jahr von 18 Millionen auf 95 Millionen Tonnen wachsen wird. Zu den Verkäufern dürften 2009 die Ukraine, Lettland, Polen, Tschechien und Ungarn zählen. "Insbesondere die Zertifikate aus osteuropäischen Staaten, in denen nach 1990 viele 'Dreckschleudern' stillgelegt wurden, werden häufig als Hot-Air-Zertifikate bezeichnet", sagt First-Climate-Experte Lafeld.

Furcht vor dem "Crowding-Out-Effekt"

Für den CDM/JI-Markt könnte eine steigende Attraktivität der AAUs negative Konsequenzen haben. "Schon jetzt fehlt es wegen der Krise bei Klimaschutzprojekten an Investitionen von privater Seite. Wenn jetzt auch die Regierungen auf AAUs umschwenken, droht der CDM/JI-Markt auszutrocken", sagt Henrik Hasselknippe, Leiter Marktanalyse bei Point Carbon.

Die Nachfrage der Staaten ist für den CDM/JI-Markt eine wichtige Säule. First Climate geht davon aus, dass europäische Unternehmen bis 2012 CDM-Zertifikate im Umfang von 830 Millionen Tonnen CO2 kaufen werden. 700 Millionen Tonnen werden der Analyse nach aus dem Rest der Welt kommen. "Für den CDM/JI-Markt könnte das eine Bedrohung sein. Fällt die Staatennachfrage weg, sinken die Preise - und Projekte könnten nicht mehr realisiert werden. Dieser Crowding-out-Effekt ist nicht zu unterschätzen", sagt First-Climate-Experte Lafeld.


Source: www.ftd.de/politik/international/:Treibhausgase-Hot-Air-statt-Klimaschutz/493255.html

Kontakt

First Climate AG
Presse
Industriestr. 10
61118 Bad Vilbel - Frankfurt/Main
Deutschland


Head Corporate Communications
Tel.: +49 (0)6101 55658-34
Fax:  +49 (0)6101 55658-77
E-Mail: press@firstclimate.com

 Home Print Recommend Page RSS Feed Imprint